Was ist emotionales Fremdgehen? Bedeutung und Grenzen besprechen
Emotionales Fremdgehen bezeichnet eine enge emotionale Bindung zu einer Person außerhalb der Beziehung, die möglicherweise mit den Absprachen oder Erwartungen der Partner kollidiert. Der Begriff hat keine feste Grenze, die für jedes Paar gilt. Eine Freundschaft oder ein vertrauliches Gespräch ist also nicht automatisch emotionales Fremdgehen. Was darunter zu verstehen ist, hängt auch von der Bindung, einer möglichen Geheimhaltung und den Absprachen zwischen den Partnern ab.
Auch ohne körperlichen Kontakt kann für dich eine Grenze überschritten sein. Dabei geht es nicht nur darum, wie oft jemand Nachrichten schreibt, sondern auch um die Bedeutung des Kontakts und darum, was bewusst verschwiegen wird.
Enge Freundschaft oder etwas anderes?
Dein Partner darf Freundschaften haben, auch Freundschaften, in denen persönliche Themen besprochen werden. Du musst nicht die einzige Vertrauensperson sein. Diese Beispiele zeigen, warum der Zusammenhang wichtiger ist als eine einzelne Handlung:
| Was dir auffällt | Was ihr besprechen könnt |
|---|---|
| Dein Partner spricht mit einem Freund über einen schwierigen Arbeitstag. | Das allein ist kein Grund, die Freundschaft als Untreue zu bezeichnen. |
| Ein Treffen wird bewusst als beruflicher Termin dargestellt, obwohl es ein romantisches Date war. | Dann geht es bei deiner Frage auch um Täuschung und nicht nur darum, wie viel Zeit die beiden miteinander verbringen. |
| Dein Partner verschickt romantische Nachrichten und tut sie im Nachhinein als unwichtig ab. | Was wurde gesagt, und passt das zu der Exklusivität, die ihr voneinander erwartet? |
Das sind Beispiele, die ein Gespräch konkreter machen sollen, aber kein Test, mit dem sich eine Affäre beweisen lässt. Unwohlsein verdient Aufmerksamkeit, gibt dir aber nicht automatisch das Recht, eine Freundschaft zu verbieten.
So sprecht ihr über eine Grenze
Beginne mit einem konkreten Ereignis und beschreibe, was dir aufgefallen ist, wie du dich dabei fühlst und was du verstehen möchtest. Versuche, das Gespräch nicht gleich darauf zu verengen, wer recht hat oder welches Label passt.
Du könntest sagen: „Mir ist aufgefallen, dass du viele private Nachrichten mit deinem Kollegen austauschst, und dadurch fühle ich mich ausgeschlossen. Was bedeutet dieser Kontakt für dich? Können wir auch darüber sprechen, was wir beide unter Privatsphäre und Geheimhaltung verstehen?“
Anschließend kann dein Partner erzählen, wie er oder sie die Freundschaft sieht. Frag nach euren Erwartungen: Was möchtet ihr einander über Kontakte zu anderen erzählen? Was versteht ihr unter Flirten oder Geheimhaltung? Gibt es Themen, zu denen ihr noch keine Absprachen getroffen habt?
Wenn du selbst romantischen Kontakt verheimlicht hast, sprich zunächst über dieses Verhalten: „Ich habe diese Nachrichten geschickt und nicht ehrlich davon erzählt.“ Das ist klarer als: „Wir hatten nie genau vereinbart, was erlaubt ist.“ Ihr könnt eure Erwartungen klären, ohne die Folgen der Täuschung wegzuerklären.
Wenn ihr euch nicht einig seid
Versucht zu unterscheiden, was passiert ist, was jede Person dabei empfindet und welche Absprachen es gab oder nicht gab. Du kannst anerkennen, dass dich etwas verletzt, ohne zu behaupten, dein Partner sei damit automatisch fremdgegangen. Dein Partner kann wiederum zuhören, ohne deine Gefühle als übertrieben abzutun.
Wenn das Gespräch zu angespannt wird, kannst du eine Pause vorschlagen: „Ich merke, dass ich gerade vor allem in eine Abwehrhaltung gehe. Ich möchte darüber sprechen, aber lieber später. Wollen wir gemeinsam einen Zeitpunkt aussuchen, an dem wir das Thema wieder aufgreifen?“ Vereinbart nur dann einen weiteren Gesprächstermin, wenn ihr beide das möchtet.
Ein Gespräch über Grenzen ist kein Grund, Zugang zu Nachrichten zu erzwingen oder jemanden zu verpflichten, eine Freundschaft zu beenden. Du darfst sagen, was du brauchst, und fragen, ob eure Erwartungen zusammenpassen. Wenn ihr zu keiner Einigung kommt, kann eine neutrale Fachperson ein möglicher nächster Schritt sein, sofern ihr beide das möchtet.
Was brauchst du, um weiterzumachen?
Vielleicht möchtest du zuerst eine ehrliche Antwort auf eine Frage. Vielleicht möchtest du wissen, ob der romantische Kontakt weitergeht. Oder du merkst, dass du Zeit brauchst, bevor du über die Beziehung entscheidest. Du kannst sagen: „Ich möchte verstehen, was passiert ist. Ich kann im Moment noch nicht versprechen, dass ich danach einfach weitermachen möchte.“
Vertrauen wieder aufzubauen und zu vergeben sind keine Versprechen, die du auf Aufforderung geben musst. Ein Gespräch kann auch deutlich machen, dass eure Wünsche nicht zusammenpassen.
Der Begriff ist kein feststehender Beziehungstest. Eine kleine qualitative Studie mit acht Frauen entwickelte zum Beispiel eine vorläufige Beschreibung und keine Definition, mit der sich jede Beziehung beurteilen lässt. Die Situationen oben sind eigene Beispiele und keine Ergebnisse dieser Studie.