Testosteron erhöhen: Was hilft und wann eine Untersuchung sinnvoll ist
Wer den Testosteronspiegel erhöhen möchte, sollte zuerst klären, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt. Bei manchen Männern hängt ein niedriger Wert mit einer behandelbaren Ursache zusammen, etwa mit Adipositas oder der Einnahme bestimmter Medikamente. Dann kann es helfen, diese Ursache anzugehen. Ein Nahrungsergänzungsmittel, extremes Training oder ein höherer Messwert allein ist keine Lösung bei weniger Energie oder nachlassender Lust auf Sex.
Einen Mangel erkennt man nicht an einem einzelnen Symptom
Testosteron spielt unter anderem für die Lust auf Sex, die Muskeln, die Knochen und die Bildung von Spermien eine Rolle. Bei einem Mangel können Beschwerden auftreten, doch Müdigkeit, geringere Libido oder Erektionsprobleme können auch andere Ursachen haben. Deshalb berücksichtigt eine Ärztin oder ein Arzt die Beschwerden, den Gesundheitszustand und die Blutuntersuchung zusammen.
Um einen Mangel festzustellen, werden die Testosteronwerte üblicherweise an mindestens zwei Tagen am frühen Morgen nüchtern gemessen. Ein einzelner Messwert erzählt nicht die ganze Geschichte. Die Endocrine Society erläutert die Diagnostik. Lass deine Hausärztin oder deinen Hausarzt entscheiden, welche Untersuchung zu deinen Beschwerden passt, statt nur einem kommerziellen Testergebnis nachzujagen.
Was kannst du selbst verändern?
Wenn Adipositas als Ursache festgestellt wurde und keine andere Ursache gefunden wird, ist eine begleitete Gewichtsabnahme meist ein erster Behandlungsschritt. Das ist etwas anderes als die Empfehlung, jeder Mann müsse abnehmen, um mehr Testosteron zu bekommen. Besprich, welches Gewicht und welcher Ansatz in deiner Situation passend und machbar sind.
Auch eine ausreichende Ernährung und Erholung sind wichtig. Sehr intensives Training oder zu wenig Nahrung können den Wert vorübergehend senken. Immer härter zu trainieren und strenger zu essen ist also nicht automatisch besser. Die Informationen zu Hypogonadismus erläutern diese Einflüsse und die verschiedenen Ursachen.
Mach es praktisch: Lege zum Beispiel feste Zeiten für normale Mahlzeiten fest und plane Pausen zwischen anstrengenden Trainingseinheiten ein. Wenn Müdigkeit oder sexuelle Beschwerden anhalten, lass sie abklären, während du an deinen Gewohnheiten arbeitest. Du musst nicht erst wochenlang einen perfekten Plan durchhalten.
Wenn du viel Alkohol trinkst, besprich, wie du deinen Konsum reduzieren kannst. Übermäßiger Alkoholkonsum kann die Testosteronproduktion und die sexuelle Gesundheit beeinflussen. Auch Medikamente können eine Rolle spielen. Setz ein verschriebenes Medikament nicht selbst ab und ändere die Dosis nicht eigenmächtig. Nimm deine Medikamentenliste zum Termin bei deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt mit.
Musst du mit dem Masturbieren aufhören?
Nein, Masturbieren ist keine bekannte Ursache für einen dauerhaften Testosteronmangel. Untersuchungen zu vorübergehenden Schwankungen zeigen außerdem nicht, dass Enthaltsamkeit einen Mangel behandelt. Die Cleveland Clinic erklärt diesen Irrtum. Du kannst selbst entscheiden, wie oft du masturbierst, ohne befürchten zu müssen, dadurch deinen Testosteronvorrat aufzubrauchen.
Und was ist mit Nahrungsergänzungsmitteln oder Testosterongel?
Nahrungsergänzungsmittel, die als Testosteronbooster verkauft werden, sind kein nachgewiesener Ersatz für eine medizinische Behandlung. Ihr Nutzen und ihre Sicherheit sind nicht überzeugend belegt. Operation Supplement Safety warnt auch vor Produkten mit nicht deklarierten Inhaltsstoffen. Ein natürlicher Inhaltsstoff oder eine lange Zutatenliste ändert daran nichts.
Verschriebenes Testosteron ist etwas anderes als ein Nahrungsergänzungsmittel. Bei einem festgestellten Mangel kann es infrage kommen, erfordert aber eine ärztliche Begleitung und regelmäßige Kontrollen. Fang nicht eigenständig mit Gel, Spritzen oder online gekauften Hormonprodukten an. Sag unbedingt Bescheid, wenn du Kinder haben möchtest: Eine Testosteronbehandlung kann die Bildung von Spermien verringern.
Was solltest du mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt besprechen?
Vereinbare einen Termin, wenn die Beschwerden anhalten oder du dir Sorgen machst. Notiere, seit wann du Veränderungen bemerkst, welche Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel du nimmst und ob sich etwas bei deinem Schlaf, deiner Ernährung oder deinem Training verändert hat. Du kannst fragen:
- „Passt ein Testosteronmangel zu meinen Beschwerden, oder sind andere Ursachen wahrscheinlicher?“
- „Ist eine Blutuntersuchung sinnvoll, und wie wird das Ergebnis beurteilt?“
- „Welche Ursache können wir angehen, und woran erkennen wir, ob das hilft?“
So geht es im Gespräch darum, wie du dich fühlst und was du brauchst, statt nur darum, einen einzelnen Hormonwert möglichst hoch zu bekommen.