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Vermeidender Bindungsstil: Abstand und Nähe besprechen

Bei vermeidender Bindung kann sich emotionale Nähe unangenehm anfühlen, während Selbstständigkeit stark betont wird. Besonders unter Anspannung kann jemand eher Abstand suchen, statt Unterstützung anzunehmen. Das beschreibt eine mögliche Tendenz; ein Abend allein beweist keinen Bindungsstil.

Abstand ist nicht immer dasselbe

Die Forschung zur Bindung im Erwachsenenalter untersucht, wie wohl sich Menschen mit Intimität fühlen und wie sehr sie einander vertrauen. Vermeidende Reaktionen können in Situationen stärker werden, die Verletzlichkeit erfordern. Das bedeutet nicht, dass jemand ständig auf Abstand geht oder keine Beziehung möchte.

Es ist zum Beispiel ein Unterschied, ob jemand sagt: „Ich brauche kurz Ruhe und komme später wieder“ oder jedes wichtige Gespräch im Sande verlaufen lässt. In beiden Fällen entsteht in diesem Moment Abstand, aber die Absprache und die Wirkung auf die andere Person sind unterschiedlich. Besprecht diesen Unterschied, bevor ihr versucht, die Ursache zu benennen.

Wenn du schnell dichtmachst

Du musst ein Gespräch nicht führen, wenn du keine Worte findest. Versuch aber deutlich zu machen, was deine Pause bedeutet. Ein möglicher Satz: „Ich möchte dir antworten, aber ich merke gerade, dass ich nur noch knapp reagiere. Ich gehe kurz spazieren. Können wir nach dem Essen weitersprechen?“

Wähle einen Zeitpunkt, den du wirklich einhalten kannst. Wenn es später doch nicht klappt, sag Bescheid und schlag selbst eine andere Zeit vor. So hat die Pause einen Anfang und eine Fortsetzung, ohne dass du sofort alles aussprechen musst.

Wenn dein Partner oder deine Partnerin Abstand braucht

Frag zuerst, was dieser Abstand konkret bedeutet. Geht es um eine Stunde Ruhe, weniger Nachrichten während der Arbeit oder Zweifel an eurer Beziehung? Du musst diese sehr unterschiedlichen Dinge nicht selbst erraten.

Du kannst antworten: „Ein Abend für dich allein ist völlig in Ordnung. Ich möchte aber wissen, wann wir das Gespräch über das Zusammenziehen wieder aufnehmen.“ Damit erkennst du ein Bedürfnis an, ohne deine eigene Frage aufzugeben. Du musst nicht noch sanfter, klüger oder geduldiger werden, um jede Reaktion der anderen Person zu verhindern.

Eine tragfähige Absprache gilt für beide

Schaut nach einer Weile gemeinsam zurück: Haben beide von euch genug Freiraum und Klarheit? Eine konkrete Absprache kann bei dem Gespräch helfen, ist aber keine nachgewiesene Behandlung eines Bindungsmusters. Wenn eine Person alle Kontaktzeiten bestimmt, darf die andere sagen, dass das für sie nicht funktioniert.

Wenn wiederholte Schwierigkeiten zu anhaltenden psychischen Beschwerden führen, kannst du mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt besprechen, welche Hilfe passt. Es muss nicht darum gehen, deinem Partner oder deiner Partnerin ein Etikett zu geben. Deine eigene Anspannung, deine Grenzen und deine Wünsche sind Grund genug, darüber zu sprechen.