Traurigkeit nach dem Sex: postkoitale Dysphorie verstehen
Traurigkeit nach dem Sex kann verwirrend sein, besonders wenn sich der Sex selbst schön angefühlt hat. Postkoitale Dysphorie ist ein Begriff für Traurigkeit, Unruhe oder Reizbarkeit nach einvernehmlichem Sex, auch wenn dieser als angenehm erlebt wurde. Die ISSM beschreibt dieses Erleben. Der Begriff sagt nicht automatisch, warum es dir so geht.
Du musst nicht sofort eine Erklärung haben
Vielleicht möchtest du weinen, während dein Partner oder deine Partnerin erwartet, dass du zufrieden bist. Oder du möchtest kurz allein sein, während die andere Person gern kuscheln würde. Du kannst zuerst sagen, was du brauchst, ohne gleich erklären zu müssen, woher das Gefühl kommt.
Zum Beispiel: „Ich bin traurig und weiß noch nicht, warum. Magst du dich kurz neben mich setzen?“ Oder: „Ich brauche gerade etwas Abstand. Lass uns später reden.“ Wähle Worte, die sich für dich richtig anfühlen. Du musst deinen Partner oder deine Partnerin nicht mit etwas beruhigen, das du selbst noch nicht weißt.
Wenn dein Gegenüber emotional reagiert
Frag lieber „Möchtest du, dass ich bleibe, oder möchtest du kurz allein sein?“ statt sofort „Habe ich etwas falsch gemacht?“. Die erste Frage lässt Raum für ein Bedürfnis; mit der zweiten kann sich das Gespräch unbeabsichtigt darum drehen, dass du beruhigt werden möchtest.
Nimm die Antwort ernst. Wenn jemand keine Berührung möchte, dränge nicht auf eine Umarmung. Später kannst du fragen, ob die Person über den Sex oder darüber sprechen möchte, was sich beim nächsten Mal gut anfühlen würde. Das Gespräch muss nicht stattfinden, solange jemand noch aufgewühlt ist.
Kommt es öfter vor?
Eine kurze Notiz kann hilfreich sein, wenn du darüber sprechen möchtest: Wann hat das Gefühl begonnen, wie hat es sich angefühlt und wie sehr hat es dich belastet? Notiere nur, was für dich nützlich ist. Du musst kein ausführliches Tagebuch mit intimen Details führen.
Vergleiche zum Beispiel „Ich habe einmal geweint und mich danach wieder beruhigt“ mit „Nach intimer Nähe bin ich oft niedergeschlagen und inzwischen graut mir davor.“ Das sind unterschiedliche Beschreibungen, kein Selbsttest und keine Grenze dafür, ob du dir Hilfe holen darfst.
Wann solltest du mit einer Fachperson darüber sprechen?
Wenn es dich belastet, du dir Sorgen machst oder es immer wieder vorkommt, sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt oder wende dich an eine Fachperson für Sexualtherapie. Die ISSM nennt professionelle Unterstützung als Möglichkeit. Du musst vorher weder eine Ursache noch eine Diagnose finden.
Sprich auch über Schmerzen, Druck oder unerwünschten Kontakt, falls das eine Rolle gespielt hat. Der Begriff postkoitale Dysphorie bezieht sich auf Gefühle nach einvernehmlichem Sex; er darf nicht verschleiern, dass eine Grenze überschritten wurde. Du darfst dir dabei Unterstützung holen, ganz gleich, welches Wort du für deine Gefühle verwendest.