Bi neugierig sein: eigene Gefühle erkunden, ohne sich gleich festzulegen
Bicurious oder bi neugierig beschreibt die Neugier auf romantischen oder sexuellen Kontakt mit Menschen von mehr als einem Geschlecht, ohne dass du dich bereits bisexuell nennst. Der Begriff kann etwas benennen, das du besser verstehen möchtest. Du musst damit weder ein Date noch eine Erfahrung oder eine endgültige Beschreibung verbinden.
Was sagt bi neugierig über dich aus?
Queer Lexikon erklärt bicurious als eine eigene Bezeichnung für diese Neugier. Im Mittelpunkt steht, was du erkundest. Der Begriff sagt nicht voraus, für welche Bezeichnung du dich später entscheiden wirst. Ebenso wenig können andere damit deine sexuelle Orientierung bestimmen.
Vielleicht denkst du zum ersten Mal über ein Date mit einer Person desselben Geschlechts nach. Oder du merkst, dass dich eine bekannte Person auf eine andere Weise beschäftigt, als du es gewohnt bist. Du musst dieses Gefühl nicht sofort einer Kategorie zuordnen, um es ernst zu nehmen.
Neugier, Anziehung und eine Bezeichnung
- Neugier: Du stellst dir eine Frage oder möchtest etwas besser verstehen.
- Anziehung: Du bemerkst, was du für eine Person empfindest.
- Selbstbezeichnung: Vielleicht wählst du ein Wort, mit dem du deine Gefühle beschreibst.
Diese Dinge können zusammenhängen, müssen aber nicht gleichzeitig klar werden. Bi.org unterscheidet zwischen Anziehung, Identität und Verhalten. Ein Gedanke sagt also nicht automatisch aus, was du tun möchtest. Und eine Erfahrung legt nicht fest, welches Wort du künftig verwenden musst.
Musst du etwas ausprobieren, um es zu wissen?
Nein. Du musst keinen Kontakt eingehen, um eine Bezeichnung zu beweisen. Du kannst lesen, nachdenken oder mit jemandem sprechen. Ein Treffen kommt nur infrage, wenn du und die andere Person Lust darauf habt. Die andere Person ist kein Test, durch den du unbedingt eine Antwort finden musst.
Wenn du jemanden besser kennenlernen möchtest, sag klar, was du im Moment sagen kannst. Zum Beispiel: „Ich mag dich und würde mich gern mit dir treffen. Ich finde noch heraus, was zu mir passt.“ Damit versprichst du weder eine Beziehung noch körperlichen Kontakt. Die andere Person darf auch entscheiden, dass sie etwas anderes sucht.
Ein Beispiel für ein behutsames Erkunden
Eine erfundene Situation: Roos muss oft an eine Frau aus ihrer Lesegruppe denken. Sie weiß noch nicht, ob es Bewunderung, Verliebtheit oder etwas anderes ist. Sie beschließt, das Treffen nicht gleich als Date zu bezeichnen, sondern zunächst ein ganz normales Gespräch anzufangen und darauf zu achten, wie es sich anfühlt.
Später kann Roos entscheiden, ihr Interesse deutlicher auszudrücken. Sie kann aber auch merken, dass sie vor allem gern mit der Frau befreundet sein möchte. Keine dieser Möglichkeiten macht ihre frühere Neugier falsch. Das Beispiel zeigt einen möglichen Weg, nicht eine Reihenfolge, der du folgen musst.
Wenn du bereits in einer Beziehung bist
Eine neue Frage zu deiner Anziehung verändert bestehende Vereinbarungen in einer Beziehung nicht von selbst. Du kannst deine Gefühle erkunden und gleichzeitig die Absprachen mit deiner Partnerperson respektieren. Wenn du etwas an eurer Beziehung ändern möchtest, sprich gesondert darüber, bevor du handelst.
Ein Einstieg könnte sein: „Ich möchte dir erzählen, was mir an mir selbst auffällt. Ich bitte dich nicht sofort um eine Veränderung, würde mir aber wünschen, dass du mir zuhörst.“ Du kannst auch sagen, was du noch nicht weißt. Ein offenes Gespräch muss nicht an einem Abend zu einer neuen Bezeichnung oder Entscheidung führen.