Borderline und Beziehungen: Verständnis, Vereinbarungen und Grenzen
Borderline kann eine Beziehung durch starke Gefühle, eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung und die Angst, verlassen zu werden, beeinflussen. Das ist von Person zu Person unterschiedlich. Eine Diagnose sagt nicht aus, wie liebevoll jemand ist, und eine schwierige Beziehung beweist keine Borderline Störung. Entscheidend ist, was ihr erlebt, welche Vereinbarungen euch helfen und wo jede Person ihre Grenzen zieht.
Was kann in einer Beziehung eine Rolle spielen?
Bei einer Persönlichkeitsstörung, die als Borderline bezeichnet wird, kann es schwierig sein, Gefühle zu regulieren. Die Gefühle für sich selbst oder für andere können stark schwanken. Was für die eine Person in der Beziehung unbedeutend wirkt, kann bei der anderen große Angst oder Traurigkeit auslösen. Nicht alle haben dieselben Beschwerden; Schweregrad und Verlauf sind unterschiedlich.
Sich in einer solchen Beschreibung wiederzuerkennen, ist keine Diagnose. Dafür beurteilt eine Fachperson das Gesamtbild und deine Vorgeschichte. Als Partner musst du nicht herausfinden, welches Etikett zutrifft, um ein schwieriges Gespräch zu führen.
Trefft Vereinbarungen, die ihr beide einhalten könnt
Wählt einen ruhigen Moment und sprecht über eine konkrete Situation. Mit „Du bist immer so“ kommt ihr weniger weit als mit einer Beschreibung dessen, was passiert ist und was du brauchst. Zum Beispiel:
| Was ist los? | Eine mögliche Vereinbarung |
|---|---|
| Ein Gespräch wird immer hitziger. | „Ich möchte dir zuhören, aber gerade fällt mir das schwer. Lass uns eine Pause machen und um acht Uhr weiterreden.“ |
| Ein Abend getrennt voneinander löst große Unsicherheit aus. | „Heute Abend treffe ich Freunde. Morgen frühstücken wir zusammen. Während des Abends werde ich nicht ständig Nachrichten schreiben.“ |
| Du weißt nicht, welche Unterstützung erwünscht ist. | „Möchtest du, dass ich dir zuhöre, mit dir gemeinsam überlege oder einfach eine Weile bei dir bleibe?“ |
Passt solche Vereinbarungen an eure Situation an. Versprich keine Erreichbarkeit, die du nicht gewährleisten kannst. Und erkenne an, dass ein Gefühl echt ist, ohne einer Anschuldigung automatisch zuzustimmen: „Ich höre, dass du Angst hast, ich könnte gehen. So habe ich meine Bemerkung nicht gemeint.“
Du kannst für jemanden da sein und trotzdem Grenzen setzen
Unterstützung zu geben muss nicht bedeuten, dass du auf deine Freunde, deinen Schlaf oder deine eigenen Pläne verzichtest. Lass in deinem Leben weiterhin Raum für dich selbst. Eine Diagnose verpflichtet dich auch nicht dazu, Beschimpfungen, Drohungen oder unerwünschte Berührungen hinzunehmen.
Wenn ihr immer wieder an denselben Situationen scheitert, besprecht, ob du an den Gesprächen mit der behandelnden Fachperson teilnehmen kannst. Psychotherapie ist eine wichtige Behandlung bei Borderline. Als Partner bist du kein Ersatz für diese Behandlung und darfst dir selbst Unterstützung suchen.
Wann solltest du Hilfe holen?
Besprich anhaltende Sorgen mit deiner Hausarztpraxis oder der behandelnden Fachperson. Nimm Äußerungen über Selbstverletzung oder Suizid ernst. Bei unmittelbarer Lebensgefahr ruf 112 an. Wenn dringend ärztliche Hilfe nötig ist, aber keine unmittelbare Lebensgefahr besteht, ruf deine Hausarztpraxis oder außerhalb ihrer Sprechzeiten den örtlichen ärztlichen Bereitschaftsdienst an. Versuch nicht, eine solche Situation allein mit Vereinbarungen für eure Beziehung zu lösen.