Hohe Libido: viel Lust auf Sex, und nun?
Eine hohe Libido bedeutet meistens, dass du oft oder stark Lust auf Sex hast. Dafür gibt es keine feste Anzahl pro Tag oder Woche. Vielleicht hast du mehr Verlangen als dein Partner oder deine Partnerin, mehr als früher oder bist einfach zufrieden damit, wie viel Lust du hast. Diese Situationen erfordern nicht alle denselben Umgang.
Womit vergleichst du dein Verlangen?
„Ich habe eine hohe Libido“ kann ganz Unterschiedliches bedeuten. Vielleicht denkst du oft an Sex, obwohl ihr wenig Zeit miteinander habt. Vielleicht möchtest du häufiger die Initiative ergreifen als dein Partner oder deine Partnerin. Oder dir fällt vor allem eine Veränderung im Vergleich zu früher auf. Unterscheide diese Situationen, bevor du nach einer Möglichkeit suchst, weniger Lust zu haben.
Es gibt kein allgemeingültiges normales Maß an Verlangen. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden und kann sich verändern, wie der sexuelle Gesundheitsdienst des NHS in St Helens im Vereinigten Königreich erklärt. Wie oft du Sex hast, sagt außerdem nicht genau aus, wie viel Verlangen du empfindest: Auch Gelegenheiten, Absprachen und Entscheidungen spielen eine Rolle.
Was fühlst du, was möchtest du tun und was vereinbarst du?
Auf diese drei Fragen musst du nicht dieselbe Antwort haben. Du kannst Lust verspüren und dich trotzdem lieber schlafen legen, eine Verabredung einhalten oder einfach nichts mit diesem Gefühl machen wollen. Viel Verlangen verpflichtet dich nicht zu Sex und gibt dir keinen Anspruch auf die Aufmerksamkeit oder den Körper eines anderen Menschen.
So kannst du deine Frage konkret machen: Schreib eine Situation auf, die kürzlich passiert ist. Zum Beispiel: „Ich wollte am Dienstag Nähe, habe es aber erst vorgeschlagen, als wir beide müde waren.“ Damit hast du etwas, worüber ihr sprechen könnt. „Ich will immer, und du nie“ macht aus zwei unterschiedlichen Erfahrungen sofort einen Vorwurf.
Wenn du öfter Lust hast als dein Partner oder deine Partnerin
Sprich in einem ruhigen Moment darüber, nicht direkt nach einer abgelehnten Annäherung. Du könntest sagen: „Mir fehlt die Initiative von deiner Seite. Magst du mir erzählen, in welchen Momenten sich Nähe für dich gut anfühlt?“ Das ist konkreter, als jemanden zu fragen, ob er oder sie künftig öfter Lust haben kann.
Angenommen, Noor möchte gern öfter die Initiative ergreifen, aber Sam empfindet eine Einladung schnell als Erwartung. Die beiden können vereinbaren: Einmal fragen reicht, ein Nein wird nicht ausdiskutiert und Kuscheln muss nicht zu Sex führen. Später können sie besprechen, ob sich diese Absprache gut anfühlt. Das ist ein Beispiel und kein Rezept, das für jedes Paar passt.
Eine Zeit für gemeinsame Aufmerksamkeit einzuplanen, kann schön sein. Es bedeutet aber nicht, dass dann Sex stattfinden muss. Auch dann darf jemand etwas anderes wollen. Ihr müsst den Unterschied im Verlangen nicht dadurch lösen, dass ihr eine durchschnittliche Häufigkeit vereinbart, hinter der keiner von euch steht.
Wann solltest du dir Hilfe holen?
Wenn du mit deinem Verlangen zufrieden bist und ihr die Grenzen des anderen respektiert, musst du dich nicht an eine vermeintliche Norm anpassen. Machst du dir wegen einer Veränderung Sorgen, beschäftigt dich das immer wieder oder führen Gespräche regelmäßig zu nichts? Dann kannst du mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt darüber sprechen. Das niederländische Gesundheitsportal Thuisarts erklärt, dass sexuelle Fragen in die Sprechstunde gehören.
Erzähl, was konkret passiert und was dich belastet. Du musst nicht erst wissen, ob es an deiner Beziehung, deiner Gesundheit oder etwas anderem liegt. Eine hohe Libido allein erklärt nicht die Ursache und ist keine Diagnose.