Was ist eine LAT Beziehung? Bedeutung und Vereinbarungen
Eine LAT Beziehung ist eine Beziehung, in der die Partner getrennt wohnen. Die Abkürzung LAT steht für living apart together, also etwa „verbunden sein und getrennt wohnen“. Wie oft ihr euch seht, wie viel Kontakt ihr zwischendurch habt und was eure Beziehung sonst ausmacht, hängt von euren eigenen Absprachen ab. Es gibt keinen festen Rhythmus, an den ihr euch halten müsst.
Was sagt der Begriff aus und was nicht?
Der Begriff sagt aus, dass die Partner nicht zusammenwohnen. Er verrät nicht, warum sie getrennt wohnen, wie oft sie sich sehen oder welche Absprachen sie zu Exklusivität und Zukunftsplänen getroffen haben. Dabei können die Wünsche der Partner auseinandergehen. Geht also nicht von einer Standardform aus, sondern besprecht, was die Beziehung für euch beide bedeutet.
Besprecht, was fĂĽr euch funktioniert
Beginnt mit etwas, das gerade ansteht, etwa einer vollen Woche, der Planung eines Besuchs oder dem Wunsch nach mehr Kontakt. Sagt, was sich für euch gut anfühlt, und fragt, wie die andere Person es erlebt. Zum Beispiel: „Ich finde es schön, Besuche ein paar Tage vorher zu planen. Wie ist das für dich?“ Oder: „Wann fühlt sich Kontakt zwischendurch für dich gut an?“
Unterscheidet zwischen einem Wunsch und einer Forderung. „Ich würde dich diese Woche gern sehen“ lädt zum Austausch ein. „Wenn ich dir wichtig bin, kommst du vorbei“ setzt unter Druck. Eine Bitte kann abgelehnt oder angepasst werden; eine einzelne Antwort muss nicht gleich etwas über die ganze Beziehung aussagen.
Findet Absprachen, die zu eurer Woche passen
Nutzt die Beispiele als Möglichkeiten, nicht als Regeln. Überlegt, was machbar erscheint, und besprecht, wie ihr die Absprachen anpasst, wenn sich eure Termine oder Umstände ändern.
| Situation | Mögliche Absprache | So bleibt sie flexibel |
|---|---|---|
| Eine volle Woche | Vereinbart einen kurzen Telefontermin oder schreibt euch, wenn es gerade passt. | Macht aus einem verpassten Termin keine Pflicht, ihn sofort nachzuholen. |
| Unterschiedliche Termine | Plant einen Besuch im Voraus und lasst einen weiteren Termin unverbindlich. | Besprecht jede Woche, was machbar ist. |
| Fahrzeit oder Fahrtkosten spielen eine Rolle | Wechselt euch mit dem Fahren ab, trefft euch auf halber Strecke oder macht den Besuch kĂĽrzer. | Verschiebt einen Besuch, wenn die Fahrt dieses Mal nicht passt. |
| Ihr möchtet auch Zeit für euch selbst | Vereinbart ungefähr im Voraus, wie lange der Besuch dauern soll. | Verlängert ihn nur, wenn es sich für euch beide gut anfühlt. |
| Ihr möchtet gern etwas zusammen unternehmen | Entscheidet euch für eine einfache Aktivität, zum Beispiel zusammen kochen oder spazieren gehen. | Haltet es unkompliziert, wenn eine Person von euch wenig Zeit oder Energie hat. |
Wenn Fahrzeit, Geld oder Betreuungspflichten eine Rolle spielen, sprecht das konkret an. Ihr könnt zum Beispiel sagen: „Ich möchte dich gern sehen, aber diesen Monat schaffe ich es nicht oft, hin und zurück zu fahren. Wollen wir uns abwechseln oder uns einmal auf halber Strecke treffen?“ So könnt ihr eine praktische Grenze besprechen, ohne dass es wie ein Vorwurf klingt.
Ein Beispielgespräch
In diesem fiktiven Beispiel möchten Noor und Sam sich gern sehen. Noor hat wechselnde Schichten und kennt ihren Dienstplan nicht immer frühzeitig. Sam plant Besuche lieber im Voraus. Sie können ihre Wünsche nebeneinanderstellen, statt davon auszugehen, dass eine Person sich immer anpassen muss.
Noor: „Ich verabrede mich gern spontan, aber mein Dienstplan steht nicht immer rechtzeitig fest. Wollen wir einen Besuch im Voraus planen und einen weiteren Termin offenlassen?“
Sam: „Das fände ich gut. Dann weiß ich, wann ich mit dir rechnen kann. Wollen wir es zwei Wochen lang ausprobieren und danach besprechen, ob es funktioniert?“
Die Absprache ist konkret, gilt aber nicht fĂĽr immer. Sie wissen, was sie vorerst ausprobieren und wann sie wieder darĂĽber sprechen.
Auch fĂĽr zu Hause sind praktische Absprachen hilfreich
Besprecht zum Beispiel, ob ihr unangekündigt vorbeikommt, welche Sachen ihr bei der jeweils anderen Person aufbewahrt und wann ein Besuch dazu wird, über Nacht zu bleiben. Ein eigener Schlüssel muss nicht bedeuten, dass jederzeit Besuchszeit ist. Ihr könnt vereinbaren: „Dein Schlüssel ist praktisch, wenn wir etwas geplant haben. Sag bitte erst Bescheid, wenn du spontan vorbeikommen möchtest.“
Auch Zeit für euch selbst darf fest im Kalender stehen. „Am Donnerstag möchte ich allein zu Hause sein, am Freitag esse ich gern mit dir“ macht euren Wunsch klarer als ein vages „Mal sehen“. Ihr müsst daraus keinen Test der Liebe oder Verbundenheit machen.
Wenn ihr unterschiedliche WĂĽnsche habt
Fragt zuerst, worum es bei dem Wunsch geht. Jemand, der sich häufiger treffen möchte, vermisst vielleicht mehr gemeinsame Zeit, möchte aber vielleicht vor allem wissen, wann der nächste Besuch stattfindet. Das sind zwei unterschiedliche Anliegen. Schlagt nicht sofort eine Lösung vor, bevor ihr herausgefunden habt, worum es geht.
Sprecht auch über die Zukunft. Möchtet ihr vorerst getrennt wohnen, irgendwann zusammenziehen oder wisst ihr es noch nicht? Ihr könnt ehrlich sein, ohne ein Datum zu versprechen: „Ich möchte jetzt gern meine eigene Wohnung behalten. Ich möchte aber besprechen, wie wir nächstes Jahr weiterschauen.“
Unterschiede verschwinden nicht immer durch einen praktischen Zeitplan. Wenn eine Person dauerhaft getrennt wohnen möchte und die andere das Zusammenwohnen für unverzichtbar hält, dürft ihr benennen, dass eure Vorstellungen wesentlich auseinandergehen. Ihr müsst kein Versprechen machen, nur damit das Gespräch angenehm endet.