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Masochismus: Bedeutung ohne Vorurteile

Masochismus kann sexuelles Vergnügen beim Erleben von Schmerz oder Demütigung beschreiben. Bei Sadismus geht es dagegen darum, anderen Schmerz oder Demütigung zuzufügen. Im übertragenen Sinn kann „masochistisch“ auch bedeuten, freiwillig etwas Unangenehmes auf sich zu nehmen. Welche Bedeutung gemeint ist, hängt vom Gespräch ab.

Was meint jemand mit masochistisch?

Die Wörterbuchdefinition von Masochismus beschreibt sowohl die sexuelle Bedeutung als auch den allgemeineren Gebrauch im Zusammenhang mit dem Aufsuchen von Unbehagen. Ein Scherz wie „Sonntags um sechs joggen zu gehen, ist schon masochistisch“ muss zum Beispiel nichts über eine sexuelle Vorliebe aussagen.

Auch in einem sexuellen Gespräch sagt ein einzelnes Wort nur wenig aus. „Ich erkenne mich im Masochismus wieder“ ist keine Liste gewünschter Erfahrungen. Eine bessere Anschlussfrage wäre: „Welcher Teil davon spricht dich an?“ So muss die andere Person keine Annahmen richtigstellen, die du bereits getroffen hast.

Das bedeutet nicht, alles ertragen zu wollen

Wer einen bestimmten Schmerzreiz angenehm findet, muss nicht auch andere Schmerzen wollen. Entscheidend ist zum Beispiel der Unterschied zwischen einer selbst gewählten Erfahrung und etwas, das unerwartet geschieht. Du kannst also nicht schlussfolgern: „Du nennst dich masochistisch, also gefällt dir auch das.“

Ebenso wenig lässt sich daraus, dass jemand Entscheidungen abgibt, ableiten, dass diese Person Schmerz möchte. „Du kannst entscheiden, was wir machen“ und „Ich möchte genau diese Erfahrung“ sind unterschiedliche Aussagen. Frag nach, was die Person meint, bevor du selbst eine Bedeutung hineinlegst.

Wie sprichst du darüber, ohne jemanden auf ein Etikett festzulegen?

  • Wenn du neugierig bist: „Magst du erzählen, was du mit diesem Wort meinst?“
  • Wenn du selbst noch suchst: „Ich weiß noch nicht, ob der Begriff zu mir passt, aber diesen Teil kenne ich von mir.“
  • Bei einem Missverständnis: „Dass mir etwas manchmal gefällt, heißt nicht, dass ich es jetzt möchte.“

Das sind Beispiele für Gespräche und keine Liste von Fragen, die du der Reihe nach abarbeiten musst. Du kannst auch sagen, dass du gerade nicht weiter darüber sprechen möchtest.

Ein Etikett ersetzt weder Zustimmung noch eine Diagnose

Zustimmung muss freiwillig und konkret sein und kann jederzeit zurückgezogen werden. Schweigen oder Nachgeben unter Druck ist keine Zustimmung. RAINN erläutert diese Grenzen.

Eine sexuelle Vorliebe ist außerdem nicht automatisch eine psychische Störung. Die Erläuterung der APA aus dem Jahr 2013 unterscheidet zwischen Interesse und Störung. Wenn dich etwas persönlich belastet, kannst du darüber sprechen, ohne dir zuerst selbst eine Diagnose zu stellen.