Offene Beziehung: Was bedeutet das und was vereinbart ihr?
Eine offene Beziehung ist meist eine Beziehung, in der Partner miteinander vereinbaren, dass sexuelle Kontakte mit anderen möglich sind. Was genau erlaubt ist und was nicht, legen die Beteiligten gemeinsam fest. Manche Definitionen betonen sexuelle Kontakte außerhalb der Beziehung, während andere den Begriff weiter fassen. Frag deshalb nach, was jemand mit „offene Beziehung“ meint, statt anzunehmen, dass alle dasselbe darunter verstehen.
Der Unterschied zu heimlichen Kontakten ist, dass eine offene Beziehung auf Absprachen beruht, denen die beteiligten Partner zugestimmt haben. Das bedeutet nicht, dass alle dieselben Grenzen haben müssen oder Absprachen für immer gelten. Partner können darüber sprechen, was für sie funktioniert und ob sie etwas ändern möchten.
Offene Beziehung, konsensuelle Nichtmonogamie und Polyamorie
Konsensuelle Nichtmonogamie ist ein Oberbegriff für Beziehungen, in denen alle beteiligten Partner ausdrücklich romantischen, intimen oder sexuellen Kontakten mit mehreren Menschen zustimmen. Eine offene Beziehung wird oft als eine Beziehung beschrieben, in der die Partner romantisch exklusiv miteinander bleiben, aber auch sexuelle Kontakte mit anderen haben können. Bei Polyamorie können mehrere romantische Beziehungen Teil der Vereinbarung sein. Die Begriffe können sich in ihrer Verwendung überschneiden; die Definitionen sind nicht immer klar voneinander abgegrenzt. Die Begriffe werden in einem Faktenblatt der Forschenden Moors, Ramos und Schechinger erläutert.
Diese Bezeichnungen helfen dabei, über eine Beziehungsform zu sprechen. Sie beschreiben eine konkrete Beziehung aber nicht vollständig. Die Absprachen der Beteiligten sind aussagekräftiger als das Label allein.
Welche Absprachen können Partner treffen?
Es gibt keine feste Liste, die für jede Beziehung gilt. Diese Fragen können euch helfen, genauer zu klären, was ihr mit Offenheit meint:
- Was zählt für euch als Kontakt mit anderen? Denkt an Flirten, Dates, sexuelle Kontakte oder romantische Gefühle. Welche Situationen möchtet ihr besprechen und welche nicht?
- Was möchtet ihr miteinander teilen? Sprecht darüber, welche Informationen ihr vorher oder im Nachhinein wissen möchtet und wie ihr die Privatsphäre anderer Beteiligter achtet.
- Wie berücksichtigt ihr Zeit und Aufmerksamkeit? Denkt an gemeinsame Pläne, verfügbare Zeit und daran, was jede Person braucht, um sich gehört zu fühlen.
- Welche praktischen Absprachen sind wichtig? Wenn sexuelle Kontakte mit anderen möglich sind, könnt ihr besprechen, welche Absprachen zu Schutz, Tests und Kommunikation für euch wichtig sind.
- Wann sprecht ihr erneut darüber? Vereinbart, wie ihr ansprechen könnt, wenn sich etwas nicht gut anfühlt, jemand eine Pause möchte oder eine Absprache noch einmal besprochen werden sollte.
Wie fängst du das Gespräch an?
Du kannst das Gespräch beginnen, ohne schon einen Vorschlag oder ein Ergebnis festzulegen, zum Beispiel: „Ich möchte gern darüber sprechen, was eine offene Beziehung für dich bedeutet. Wir müssen heute nichts entscheiden.“ Frag danach, was die andere Person davon hält, und hör auch bei Zweifeln oder Sorgen zu. Ein Gespräch kann mit mehr Fragen enden oder mit der Vereinbarung, vorerst nichts zu ändern. Auch das ist ein mögliches Ergebnis.
Eine Anschlussfrage könnte sein: „Was möchtest du wissen, bevor du weiter darüber nachdenkst?“ So sprecht ihr erst über die Bedeutung und eure Erwartungen, bevor ihr mögliche Absprachen besprecht.
Mach aus einem allgemeinen Wunsch etwas Konkretes
„Wir erzählen uns alles“ klingt eindeutig, kann für euch beide aber etwas ganz Unterschiedliches bedeuten. Möchtest du vorher wissen, dass es ein Date gibt, oder danach alle Einzelheiten hören? Auch die andere Person, mit der jemand sich trifft, hat ein Recht auf Privatsphäre. Teile keine Nachrichten, Fotos oder intimen Einzelheiten ohne deren Zustimmung.
| Eine allgemeine Aussage | Eine konkretere Frage |
|---|---|
| „Unsere Beziehung bleibt wichtig.“ | Welche gemeinsamen Pläne halten wir frei und wie stimmen wir uns über neue Absprachen ab? |
| „Wir sind ehrlich zueinander.“ | Welche Informationen teilen wir, bevor eine weitere Person dazukommt? |
| „Wir hören auf, wenn es sich nicht gut anfühlt.“ | Wie bitten wir um ein Gespräch oder eine Pause und was bedeutet das für bereits getroffene Absprachen? |
Andere Beteiligte sind keine Nebensache. Sag einem neuen Date ehrlich, welche Beziehungsform und welche Absprachen für dich gelten, damit die Person selbst entscheiden kann, ob das für sie passt. Versprich nicht mehr Zeit, Exklusivität oder Freiraum, als du tatsächlich geben kannst.
Was, wenn eine Person von euch das nicht möchte?
Ein Gespräch anzufangen ist keine Zustimmung dazu, sich schon mit jemand anderem zu treffen. Du kannst sagen: „Ich möchte verstehen, was du meinst, aber ich stimme dem im Moment nicht zu.“ Zweifel müssen nicht durch eine Probezeit ausgeräumt werden. Aus Angst, die andere Person zu verlieren, zuzustimmen, ist keine gute Grundlage.
Wenn eure Wünsche nicht zusammenpassen, verdient das ein ehrliches Gespräch über eure Beziehung. Du kannst die andere Person nicht dazu verpflichten, eine offene Beziehung zu wollen, aber auch nicht verlangen, dass ihre Wünsche verschwinden. Sprecht darüber, was jede Person anbieten kann, ohne eine Grenze als Hindernis zu behandeln, das überwunden werden muss.