Sadismus: Bedeutung und Unterschied zum Masochismus
Sadismus kann sexuelles Vergnügen daran bedeuten, anderen Schmerzen oder Demütigungen zuzufügen. Im Alltag wird das Wort auch für Grausamkeit oder die Freude am Leid anderer verwendet. Diese Bedeutungen solltest du auseinanderhalten: Der Vorwurf grausamen Verhaltens sagt nicht automatisch etwas über die sexuellen Vorlieben einer Person aus.
Was ist der Unterschied zum Masochismus?
Beim Sadismus geht es darum, Schmerzen oder Demütigungen zuzufügen, beim Masochismus darum, sie zu erfahren. Diese Unterscheidung findet sich auch in der Wörterbucherklärung von Sadismus. Die Begriffe sagen noch nicht, welche konkrete Erfahrung jemand angenehm findet.
Dominanz ist kein anderes Wort für Sadismus. Die Führung übernehmen zu wollen bedeutet für sich genommen nicht, dass jemand anderen Schmerzen zufügen möchte. Umgekehrt heißt es nicht automatisch, dass jemand Schmerzen erleben möchte, wenn die Person Entscheidungen gerne abgibt. Frag also nach, wenn jemand nur sagt: „Ich bin gerne dominant.“
Drei Beispiele dafür, wie das Wort verwendet wird
- Als Urteil über ein Verhalten: „Ich fand es sadistisch, dass du mich immer wieder ausgelacht hast.“ Hier beschreibt jemand etwas als grausam oder verletzend.
- Als persönliche Vorliebe: „Ich erkenne in dem Begriff Sadismus etwas von mir wieder.“ Das ist ein Anlass, darüber zu sprechen, was die Person damit meint, nicht für Vermutungen.
- Als Frage über sich selbst: „Bedeutet diese Fantasie, dass ich sadistisch bin?“ Du musst dich nicht sofort für ein Etikett entscheiden. Du kannst zunächst beschreiben, was dich beschäftigt.
„Was genau meinst du damit?“ ist oft eine bessere Anschlussfrage als „Also bist du so jemand?“
Was bedeutet das für das Einvernehmen?
Eine Vorliebe ist keine allgemeine Zustimmung. Einvernehmen muss freiwillig gegeben werden, sich auf etwas Konkretes beziehen und kann jederzeit zurückgezogen werden. Auch nach einer vorherigen Absprache kann man noch aufhören. Die Erläuterung von RAINN zum Einvernehmen behandelt diese Grundsätze.
Wenn du über eine unangenehme Situation sprichst, musst du das Wort Sadismus nicht verwenden. „Du hast weitergemacht, nachdem ich gesagt hatte, dass ich aufhören möchte“ benennt zum Beispiel genau, worin das Problem lag.
Ist das eine psychische Störung?
Ein ungewöhnliches sexuelles Interesse bedeutet nicht automatisch, dass eine psychische Störung vorliegt. Die Erläuterung der APA aus dem Jahr 2013 macht diese Unterscheidung. Für eine persönliche Diagnose braucht es mehr als ein einzelnes Wort oder eine Fantasie.
Wenn du mit einer Fachperson darüber sprechen möchtest, beginne mit deiner eigenen Frage. Zum Beispiel: „Ich schäme mich für einen Gedanken und möchte darüber sprechen“ oder „Ich mache mir Sorgen wegen meines Verhaltens.“ Du musst dir vorher keine eigene Diagnose überlegen.