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Sexsucht oder viel Lust: Wann solltest du Hilfe suchen?

Viel Lust auf Sex zu haben ist nicht dasselbe, wie die Kontrolle über das eigene Verhalten zu verlieren. Wenn du dir wegen zwanghaften Sexualverhaltens Sorgen machst, geht es vor allem darum, dass du nur schwer aufhören oder dein Verhalten steuern kannst, obwohl es negative Folgen hat. Wie oft du masturbierst oder Pornos schaust, reicht für sich genommen nicht für eine Diagnose.

Was ist mit Sexsucht gemeint?

Im Alltag meinen Menschen damit oft, dass Sex zunehmend ihr Leben bestimmt. Vielleicht nimmst du dir zum Beispiel vor, weniger Zeit mit Pornos zu verbringen, vernachlässigst aber wiederholt Arbeit, Schlaf oder Verabredungen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Kontrollverlust, Belastung und Folgen, nicht eine allgemeingültige Grenze für „zu viel“ Sex.

Fachleute verwenden auch den Begriff zwanghaftes Sexualverhalten. Die Internationale Klassifikation der Krankheiten der WHO beschreibt eine Störung der Impulskontrolle. Nicht jede Klassifikation verwendet dieselbe Bezeichnung. Die Mayo Clinic erläutert diesen Unterschied. Eine Fachperson beurteilt deine Situation und berücksichtigt dabei auch deine körperliche Gesundheit, deine Stimmung sowie den Konsum von Substanzen und Medikamente.

Welche Anzeichen verdienen Aufmerksamkeit?

  • Du nimmst dir regelmäßig vor, weniger zu tun oder aufzuhören, schaffst es aber nicht.
  • Dein Verhalten kostet dich immer mehr Geld oder Zeit, die dann fĂĽr wichtige Dinge fehlen.
  • Du machst weiter, obwohl du merkst, dass es deinem Leben deutlich schadet.

Die niederländische Gesundheitswebsite Thuisarts beschreibt solche Probleme und Möglichkeiten, Hilfe zu bekommen. Unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse in einer Partnerschaft bedeuten für sich genommen nicht, dass die Person mit mehr Lust eine Störung hat.

Stell dir zwei unterschiedliche Fragen vor: „Mein Partner möchte seltener Sex als ich“ und „Ich verpasse Verabredungen, weil ich nicht aufhören kann, Pornos zu schauen“. Diese Fragen brauchen unterschiedliche Gespräche. Beschreibe deshalb, was passiert und welche Folgen es hat, statt dir selbst vorschnell ein Etikett zu geben. Auch über Scham kannst du sprechen, ohne vorher entscheiden zu müssen, dass du süchtig bist.

Was kann Hilfe beinhalten?

Wende dich zunächst an deine Hausärztin oder deinen Hausarzt. Sie oder er kann dich an eine Psychologin oder einen Psychologen, eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten oder eine Sexualtherapeutin oder einen Sexualtherapeuten überweisen. In Gesprächen kannst du daran arbeiten, dein Verhalten besser zu steuern, mit Anspannung umzugehen und Raum für Sexualität zu schaffen, mit der du zufrieden bist. Manchmal gibt es zusätzlich eine andere psychische Belastung, die Aufmerksamkeit braucht. Das Ziel ist nicht automatisch, jede Sexualität aus deinem Leben zu streichen.

Du könntest sagen: „Ich habe versucht, mein Verhalten zu ändern, aber es gelingt mir nicht und ich merke, dass sich das bei der Arbeit auswirkt.“ Ein konkretes Beispiel reicht für den Anfang. Erwähne auch neue Medikamente oder den Konsum von Substanzen, falls diese eine Rolle spielen könnten.

Als Partnerin oder Partner darfst du eigene Grenzen setzen und dir selbst Unterstützung suchen. Du musst nicht die Kontrolle oder Behandlung der anderen Person übernehmen. Gemeinsam über Hilfe zu sprechen, kann sinnvoll sein. Deine Zustimmung zu Sex bleibt aber immer eine eigenständige Entscheidung.