Situationship: Was bedeutet das und wie sprichst du es an?
Eine Situationship ist eine romantische Verbindung, bei der ihr kein offizielles Paar seid. Vielleicht trefft ihr euch regelmäßig und fühlt euch zueinander hingezogen, habt aber nicht abgesprochen, was ihr füreinander seid. Das Wort sagt nicht aus, ob ihr auch andere datet oder eine feste Beziehung sucht. Darüber sprecht ihr am besten direkt miteinander.
Wann spricht man von einer Situationship?
Der Begriff passt zum Beispiel, wenn ihr euch datet, ohne den Beziehungsstatus klar zu benennen, obwohl romantisches Interesse da ist. Es ist keine Diagnose und auch kein Beweis dafür, dass dich jemand absichtlich hinhält. Vielleicht möchtet ihr beide es locker halten; vielleicht hofft eine Person von euch auf mehr.
Das unterscheidet sich davon, bewusst langsam zu daten. Ihr könnt euch Zeit lassen, einander kennenzulernen, und trotzdem klar sagen, was eure Absichten sind. Bei einer Situationship bleibt oft gerade die Frage offen: Was sind wir füreinander? Entscheidend ist nicht das Tempo, sondern dass die Beziehung nicht benannt wird.
Auf ein Label zu verzichten, muss kein Problem sein, wenn ihr euch beide damit wohlfühlt. Aber wenn du Klarheit möchtest, musst du dieses Bedürfnis nicht unterdrücken, nur um entspannt zu wirken.
Worüber möchtest du Klarheit?
Du musst vorher nicht wissen, was du langfristig aus der Verbindung machen möchtest. Überleg zuerst, welche Antwort dir jetzt weiterhelfen würde. Geht es um Exklusivität, darum, ob die andere Person für eine Beziehung offen ist, um die Häufigkeit eures Kontakts oder vor allem darum, dass du sagen kannst, wonach du suchst?
Vervollständige für dich diese drei Sätze:
- Das weiß ich: zum Beispiel: Ich mag diese Person und wir treffen uns regelmäßig.
- Das weiĂź ich noch nicht: zum Beispiel: Ich weiĂź nicht, ob wir weiterhin andere daten.
- Das möchte ich besprechen: zum Beispiel: Ich möchte wissen, ob wir bei der Exklusivität dieselben Erwartungen haben.
Du musst nicht beweisen, dass dein Grund fĂĽr den Wunsch nach Klarheit wichtig genug ist. Du darfst auch entscheiden, dass eine unverbindliche Verbindung nicht zu dir passt. Die andere Person kann etwas anderes wollen. Es geht nicht darum, eine bestimmte Antwort zu erzwingen, sondern herauszufinden, ob eure WĂĽnsche zusammenpassen.
So fängst du das Gespräch an
Such dir einen ruhigen Moment, in dem ihr beide aufmerksam sein könnt. Du kannst direkt fragen oder erst eine kurze Nachricht schicken, um ein Gespräch vorzuschlagen. Wenn es um mehrere Themen geht, besprecht sie nacheinander. Ein einfacher Einstieg könnte sein: „Darf ich dich fragen, wie du das zwischen uns siehst?“
Versuch, aus deiner eigenen Perspektive zu sprechen und eine konkrete Frage zu stellen. Zum Beispiel:
- „Ich verbringe gern Zeit mit dir, aber ich weiß nicht genau, wie du unsere Verbindung siehst. Wie fühlt es sich für dich an?“
- „Datest du gerade auch andere? Ich frage, damit ich herausfinden kann, was sich für mich gut anfühlt.“
- „Ich wünsche mir auf längere Sicht eine feste Beziehung. Ich verlange nicht, dass du jetzt etwas versprichst, aber ich möchte wissen, ob du dafür grundsätzlich offen bist.“
- „Ich weiß noch nicht, welches Label ich möchte. Ich würde aber gern besprechen, was wir vereinbaren, falls eine Person von uns etwas anderes sucht.“
Wenn es um Exklusivität geht, fragt euch, was genau ihr vereinbart: keine anderen Dates, kein romantischer Kontakt mit anderen oder etwas anderes? Sich oft zu treffen oder Sex zu haben, ist für sich genommen noch keine Vereinbarung. Ein Gespräch über Schutz ist davon unabhängig. Geh nicht davon aus, dass ein neues Label dieses Thema automatisch regelt.
Wenn ihr unterschiedliche Erwartungen habt
In diesem fiktiven Beispiel möchte Noor lieber nicht gleichzeitig andere daten, bittet aber nicht sofort um eine feste Beziehung. Nach einem Treffen sagt Noor: „Ich verbringe gern Zeit mit dir. Mir fällt auf, dass ich lieber keine anderen daten würde. Wie siehst du das?“ Die andere Person antwortet, dass sie Noor gern weiter treffen möchte, aber im Moment keine Exklusivität vereinbaren will.
Noor muss nicht sofort zustimmen oder die Verbindung gleich beenden. Noor kann sagen: „Danke, dass du ehrlich bist. Ich möchte erst einmal darüber nachdenken, ob das für mich funktioniert.“ Danach können sie wieder miteinander sprechen, wenn beide das möchten, oder anerkennen, dass ihre Wünsche im Moment auseinandergehen. Niemand muss ein Versprechen machen, nur um die andere Person zu beruhigen.
Wenn das Gespräch unangenehm wird
Eine Pause bedeutet nicht gleich, dass du etwas Falsches gesagt hast. Gib der anderen Person einen Moment zum Nachdenken. Du kannst fragen: „Möchtest du jetzt darauf antworten oder lieber später darüber sprechen?“ Bleibt die Antwort vage, frag nach, was die Person schon weiß: „Weißt du, ob du Exklusivität möchtest, oder ist dir das selbst noch nicht klar?“
Du kannst das Gespräch unterbrechen, wenn es dir zu viel wird oder du merkst, dass du vor allem auf eine bestimmte Antwort hoffst. Aber du musst auch nicht endlos auf Klarheit warten. Entscheide selbst, wie viel Unsicherheit sich für dich noch gut anfühlt. Du darfst mit klaren Absprachen weitermachen, um Bedenkzeit bitten oder Abstand nehmen. Du schuldest niemandem eine Beziehung, Sex oder Aufmerksamkeit, um die Verbindung aufrechtzuerhalten.
Was, wenn du die Verbindung beenden möchtest?
Du musst nicht warten, bis die andere Person zum selben Schluss kommt. Du kannst zum Beispiel sagen: „Ich mag dich, aber ich suche eine feste Beziehung. Ohne diese Aussicht weiterzumachen, passt für mich nicht.“ Eine lange Diskussion darüber, wer recht hat, ist nicht nötig.
Wenn du nur weniger Kontakt möchtest, sag auch, was du damit meinst: „Ich möchte mich vorerst nicht mehr mit dir treffen. Ich melde mich selbst, wenn ich dafür wieder offen bin.“ Wähl Worte, die zu deiner Absicht passen, damit ein Abschied nicht wie eine Einladung klingt, weiter zu warten.