Was bedeutet ein Fetisch?
Ein sexueller Fetisch ist ein Interesse, bei dem ein Gegenstand, ein Material oder ein Körperteil eine besondere Rolle für die Erregung spielt. Dazu können Schuhe, Leder, Latex oder Füße gehören. Eine Lederjacke einfach nur schön zu finden, ist nicht dasselbe: Hier geht es um die sexuelle Bedeutung, die etwas für eine Person hat.
Ein Wort mit unterschiedlichen Bedeutungen
Außerhalb des sexuellen Zusammenhangs kann sich Fetisch auch auf einen Gegenstand beziehen, dem besondere oder übernatürliche Kräfte zugeschrieben werden. Wenn es um Intimität geht, ist meist sexuelle Anziehung gemeint. Frag also nach, was genau gemeint ist, wenn das nicht klar ist.
Wie wichtig dieses Interesse ist, ist von Person zu Person verschieden. Für die eine Person ist ein bestimmter Stoff ein reizvolles Extra; für eine andere steht genau dieser Gegenstand oder Körperteil im Mittelpunkt. Allein aus dem Wort lässt sich nicht ableiten, welche Rolle das Interesse im Leben einer Person spielt.
Ein Interesse ist nicht automatisch eine Störung
Ein ungewöhnliches sexuelles Interesse ist für sich genommen keine psychiatrische Diagnose. Der klinische Begriff „fetischistische Störung“ beschreibt eine konkretere Situation, zu der unter anderem erheblicher persönlicher Leidensdruck oder Probleme in wichtigen Lebensbereichen gehören. Das muss professionell beurteilt werden. Eine Vorliebe für Kleidung oder Füße reicht nicht aus, um eine solche Schlussfolgerung zu ziehen.
Auch Scham, die dadurch entsteht, dass andere dich ablehnen, ist etwas anderes, als das Interesse selbst als Problem zu erleben. Du kannst dir wegen dieser Scham Unterstützung suchen, ohne vorher zu beschließen, dass dein Interesse verschwinden muss. Die American Psychiatric Association unterscheidet zwischen atypischen Interessen und Störungen.
Besprecht, was es für euch bedeutet
Stell dir vor, dein Partner oder deine Partnerin erzählt dir, einen Fußfetisch zu haben. Du musst nicht sofort entscheiden, ob du gemeinsam etwas ausprobieren möchtest. Eine erste Antwort könnte sein: „Danke, dass du mir das erzählst. Was möchtest du, dass ich darüber weiß?“ Danach kannst du eine andere Frage stellen: „Möchtest du mir nur erzählen, was du attraktiv findest, oder gibt es einen Wunsch, den du mit mir besprechen möchtest?“
Etwas zu erzählen und dazu einzuwilligen sind zwei verschiedene Schritte. Du kannst interessiert zuhören und trotzdem keine Aktivität ausprobieren wollen. Zum Beispiel: „Ich finde es schön, dass du offen bist, aber ich möchte das selbst nicht ausprobieren.“ Auch die Person mit dem Fetisch darf etwas für sich behalten.
Wenn dich das selbst belastet
Merkst du, dass dein Interesse deinen Alltag beeinträchtigt, dich stark belastet oder immer wieder zu Spannungen in deiner Beziehung führt? Dann besprich deine konkrete Frage mit einer Hausärztin oder einem Hausarzt oder einer qualifizierten Fachperson für Sexualmedizin. Das Gespräch muss nicht mit einer Diagnose beginnen. „Ich möchte verstehen, warum mir das so wichtig ist“ ist ebenfalls ein guter Ausgangspunkt.