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Pearl Index: So liest du die Zuverlässigkeit von Verhütungsmethoden

Der Pearl Index gibt an, wie viele Schwangerschaften bei der Anwendung einer Verhütungsmethode pro 100 Frauenjahre auftreten. Forschende addieren dafür die Anwendungszeiträume der Teilnehmenden. Je niedriger der Wert, desto weniger Schwangerschaften kamen auf diese gesamte Anwendungszeit. Es handelt sich um ein Studienergebnis, nicht um eine Garantie für eine einzelne Person.

Was ist ein Frauenjahr?

Eine Teilnehmerin, die ein Jahr lang berücksichtigt wird, ergibt ein Frauenjahr. Zwei Teilnehmerinnen, die jeweils ein halbes Jahr berücksichtigt werden, ergeben zusammen ebenfalls ein Frauenjahr. Es geht also um die aufsummierte Zeit und nicht nur darum, wie viele Personen an einer Studie teilnehmen.

Ein einfaches Rechenbeispiel: Bei insgesamt 200 Frauenjahren Anwendung wurden 4 Schwangerschaften festgestellt. Dann beträgt der Pearl Index 4 ÷ 200 × 100 = 2. Das bedeutet 2 Schwangerschaften pro 100 Frauenjahre. Diese Zahlen dienen nur dazu, die Berechnung zu veranschaulichen; sie beziehen sich auf kein bestimmtes Verhütungsmittel.

In Studien gelten genauere Regeln dafür, welche Schwangerschaften und Anwendungszeiträume berücksichtigt werden. Die europäische Leitlinie für Verhütungsstudien beschreibt unter anderem die Berechnung und die gesonderte Beurteilung der korrekten Anwendung der Methode.

Ein Pearl Index von 2 ist nicht dasselbe wie dein persönliches Risiko

Das Beispiel bedeutet nicht, dass deine Wahrscheinlichkeit, im nächsten Jahr schwanger zu werden, genau 2 Prozent beträgt. Es sagt auch nichts über die Wahrscheinlichkeit nach einmaligem Sex aus. Deine persönliche Situation lässt sich nicht aus einem einzelnen durchschnittlichen Studienwert ablesen.

In einer Studie können zum Beispiel Zeiträume aus der Berechnung ausgeschlossen werden, in denen zusätzlich ein anderes Verhütungsmittel verwendet wurde. So war es bei einer statistischen Beurteilung durch die FDA. Deshalb ist es wichtig zu wissen, welche Anwendungszeit tatsächlich in den Nenner eingeht. Ohne diese Erklärung kann eine Zahl vollständiger wirken, als sie ist.

Korrekte Anwendung und Anwendung im Alltag

Tabellen zur Zuverlässigkeit unterscheiden häufig zwischen durchgehend korrekter Anwendung und der Anwendung im Alltag. Bei Letzterer können zum Beispiel vergessene Pillen berücksichtigt werden. Diese beiden Ergebnisse sind nicht austauschbar.

Die NHS Tabelle zu Verhütungsmethoden führt deshalb beide Arten von Zahlen auf. Langzeitmethoden wie eine Spirale oder ein Verhütungsstäbchen hängen weniger davon ab, dass du täglich daran denkst. Ein Prozentwert in einem solchen Vergleich für die Öffentlichkeit ist aber nicht automatisch ein Pearl Index. Achte immer darauf, welche Kennzahl über der Tabelle steht.

Warum steht manchmal noch ein anderer Wert daneben?

Forschende können auch schätzen, wie viele Teilnehmende innerhalb eines bestimmten Zeitraums, zum Beispiel eines Jahres oder dreier Jahre, schwanger werden. Dieses Ergebnis bezieht sich auf einen festgelegten Zeitraum. Beim Pearl Index werden Schwangerschaften dagegen durch die aufsummierte Anwendungszeit geteilt. Die Beurteilung der FDA zeigt beide Ansätze nebeneinander.

Zusätzlich kann ein Konfidenzintervall angegeben sein: eine untere und eine obere Grenze, die die statistische Unsicherheit der Schätzung veranschaulichen. Die europäische Leitlinie verlangt ein solches Intervall für den Pearl Index. Wer nur die mittlere Zahl vergleicht, lässt diese Unsicherheit außer Acht.

Drei Punkte, die du beim Vergleichen prüfen solltest

  • Dieselbe Kennzahl? Vergleiche keinen Pearl Index mit einem Prozentwert für drei Jahre.
  • Vergleichbare Anwendung? Prüfe, ob korrekte Anwendung, Anwendungsfehler und zusätzliche Verhütung auf dieselbe Weise berücksichtigt wurden.
  • Dieselbe Ausgangslage? Achte auf die untersuchte Gruppe, die Anwendungsdauer und die Unsicherheitsmarge.

Nutze den Wert als einen Teil deiner Entscheidung. Deine Gesundheit, mögliche Nebenwirkungen und eine Routine, die du durchhalten kannst, sind ebenfalls wichtig, wenn du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über Verhütung sprichst.