Paraphilie: Bedeutung und Unterschied zu einer Störung
Paraphilie ist ein klinischer Begriff für ein atypisches sexuelles Interesse. Paraphile Störung ist ein diagnostischer Begriff. Ein ungewöhnliches Interesse bedeutet also nicht automatisch, dass jemand eine psychische Störung hat. Die APA erläutert diesen Unterschied in ihrer Erklärung zum DSM 5.
Worin liegt der Unterschied?
Bei einer Diagnose können unter anderem persönlicher Leidensdruck, eine Schädigung anderer oder deren fehlende Zustimmung eine Rolle spielen. Missbilligung durch das Umfeld ist nicht dasselbe wie persönlicher Leidensdruck wegen des Interesses selbst.
Das ist keine vollständige Auflistung der Kriterien. Die APA erklärt, dass diagnostische Kriterien eine professionelle Beurteilung erfordern. Eine einzelne Definition oder ein Online Fragebogen kann diese Beurteilung nicht ersetzen.
Welche Frage möchtest du eigentlich stellen?
Du musst nicht sofort entscheiden, ob ein Etikett auf dich zutrifft oder nicht. Du kannst zunächst benennen, warum du nach dem Begriff suchst. Zum Beispiel:
- „Ich bin in einem Text auf diesen Begriff gestoßen. Was meint die Autorin oder der Autor damit?“
- „Jemand hat abwertend auf eine Vorliebe von mir reagiert. Das beschäftigt mich.“
- „Ich merke, dass ein Interesse viel meiner Aufmerksamkeit beansprucht, und möchte darüber sprechen.“
Bei der ersten Frage geht es um Sprache, bei der zweiten um eine Erfahrung mit einer anderen Person und bei der dritten um etwas, das du selbst bei dir bemerkst. Die Beispiele sind keine Diagnosekategorien. Sie helfen dabei, konkret zu benennen, worum es in einem Gespräch gehen soll.
Wie reagierst du auf eine persönliche Erklärung?
Wenn dir jemand etwas erzählt, kannst du fragen: „Möchtest du, dass ich einfach zuhöre, oder möchtest du meine Reaktion hören?“ So kann die andere Person sagen, worum es ihr in dem Gespräch geht. Du musst keine Diagnose beurteilen.
Du darfst gleichzeitig deine eigene Grenze deutlich machen: „Ich verstehe, dass dir das wichtig ist, aber ich möchte selbst nicht daran teilnehmen.“ Verständnis zu zeigen verpflichtet dich nicht dazu, dieselbe Vorliebe zu haben.
Wenn du eine professionelle Erklärung suchst, nimm deine konkrete Frage mit. Du musst nicht erst beweisen, dass ein klinischer Begriff auf dich zutrifft, um etwas zum Thema zu machen.