Wunsch nach körperlicher Nähe: Wenn ihr nicht dasselbe wollt
Körperliche Nähe kann eine Umarmung sein, eine Hand auf deiner Schulter oder einfach nebeneinander zu sitzen und sich anzulehnen. Vielleicht vermisst du diese Nähe, während dein Partner oder deine Partnerin lieber öfter Abstand möchte. Mach die Frage konkreter als „Warum berührst du mich nie?“: Welche Berührung würdest du dir wünschen und wann?
Der Wunsch nach mehr Berührung kann vieles bedeuten
„Ich möchte mehr körperliche Nähe“ lässt noch vieles offen. Meinst du eine Begrüßung, wenn du nach Hause kommst, Händchenhalten beim Spazierengehen oder eine Umarmung, die nicht gleich in Sex übergeht? Das sind unterschiedliche Wünsche. Versuch, einen konkreten Moment auszuwählen, den du wirklich vermisst.
Du könntest zum Beispiel sagen: „Ich fände es schön, wenn wir uns bei der Begrüßung kurz umarmen. Wie wäre das für dich?“ So fragst du nach etwas Konkretem. Die andere Person muss nicht auf ein Urteil darüber reagieren, wie viel Zuneigung sie zeigt.
Drei Situationen, über die ihr sprechen könnt
| Situation | Ein möglicher Gesprächseinstieg |
|---|---|
| Du umarmst gern, möchtest aber nicht unerwartet von hinten berührt werden. | „Ich mag Umarmungen. Kannst du mich vorher kurz anschauen oder fragen?“ |
| Du möchtest auf dem Sofa nah beieinander sitzen, ohne dass mehr erwartet wird. | „Ich möchte mich gern an dich anlehnen. Für mich reicht das heute Abend.“ |
| Nach einem anstrengenden Tag möchtest du erst einmal in Ruhe gelassen werden. | „Ich möchte erst einmal in Ruhe ankommen. Frag später noch einmal, dann kann ich dir sagen, worauf ich Lust habe.“ |
Du musst dich nicht in allen drei Situationen wiedererkennen. Vielleicht hältst du beim Spazierengehen gern Händchen, aber nicht, wenn du gleichzeitig Einkäufe trägst. Beschreib den konkreten Moment mit einfachen Worten. „Viel“ oder „wenig“ Berührung sagt darüber weniger aus.
Einen Wunsch ohne Druck ansprechen
Du darfst sagen, dass du Berührung vermisst. Die andere Person darf sagen, dass sich eine bestimmte Berührung nicht gut anfühlt. Eine Grenze ist nicht weniger gültig, nur weil ihr ein Paar seid. Love is respect beschreibt körperliche Grenzen als persönliche Entscheidungen darüber, welche Berührungen und welche Nähe sich gut anfühlen. Diese Entscheidungen können sich auch ändern.
Auf „Ich möchte gerade keine Umarmung“ kannst du einfach antworten: „Gut, dass du es sagst.“ Frag nicht gleich nach einem Grund, um doch noch ein Ja zu bekommen. Möchtest du später über einen wiederkehrenden Unterschied sprechen, besprecht, wie ihr beide die Situation erlebt.
Zum Beispiel: „Mir fällt auf, dass ich in den letzten Wochen oft um Nähe bitte. Ich vermisse sie. Wie erlebst du unsere körperliche Nähe?“ Lass der anderen Person anschließend Raum für eine Antwort. Du musst dich nicht erst für eine Erklärung wie einen bestimmten Bindungsstil entscheiden, bevor ihr miteinander sprechen könnt.
Was könnt ihr gemeinsam vereinbaren?
Vielleicht möchte die eine Person auf einer belebten Terrasse keinen Kuss, umarmt dich zu Hause aber gern. Dann könnt ihr eine Vereinbarung für diese Situation besprechen. Vielleicht möchte jemand in diesem Moment überhaupt nicht berührt werden. Eine Alternative ist dann keine Verpflichtung.
Wenn ihr beide möchtet, könnt ihr stattdessen etwas anderes zusammen unternehmen, etwa spazieren gehen oder eine Tasse Tee trinken. Das muss den Wunsch nach Berührung nicht vollständig erfüllen. Es ist auch in Ordnung zu sagen: „Ich schätze unsere gemeinsame Zeit und vermisse trotzdem körperliche Nähe.“
Ihr müsst euch nicht auf eine tägliche Anzahl von Umarmungen einigen. Sucht nach Nähe, für die ihr euch beide entscheidet. Wenn eure Wünsche dauerhaft weit auseinanderliegen, darf das weiterhin Teil eines Gesprächs darüber sein, was jede Person in der Beziehung braucht.