Omnisexualität: Bedeutung und Unterschied zu verwandten Begriffen
Omnisexuell bedeutet, dass du dich zu Menschen aller Geschlechter hingezogen fühlen kannst, wobei das Geschlecht bei dieser Anziehung eine Rolle spielen kann. Es geht um mögliche Anziehung, nicht um Interesse an allen. Omnisexualität sagt also weder aus, wie viele Menschen du attraktiv findest, noch mit wem du eine Beziehung eingehen möchtest.
Was bedeutet es, dass das Geschlecht eine Rolle spielt?
Du kannst feststellen, dass sich die Anziehung zu verschiedenen Menschen unterschiedlich anfühlt, ohne dass du ein Geschlecht von vornherein ausschließt. Eine Vorliebe muss nicht bedeuten, dass du dich nur zu einem Geschlecht hingezogen fühlen kannst. Der Begriff gibt dir eine Möglichkeit, diese Erfahrung zu benennen.
Queer Lexikon beschreibt Omnisexualität in dieser Bedeutung. Es weist auch auf die enge Verwandtschaft mit Pansexualität hin. Diese Begriffe helfen dir, dich selbst zu beschreiben; du musst damit keine starren Grenzen für andere ziehen.
Der Unterschied zwischen omnisexuell, pansexuell und bisexuell
| Begriff | Kurze Beschreibung |
|---|---|
| Omnisexuell | Anziehung zu Menschen aller Geschlechter, wobei das Geschlecht spürbar eine Rolle spielen kann. |
| Pansexuell | Anziehung unabhängig vom Geschlecht. |
| Bisexuell | Anziehung zu mehr als einem Geschlecht. |
Diese Beschreibungen überschneiden sich. Bisexuell bedeutet nicht, dass man sich ausschließlich zu Männern und Frauen hingezogen fühlt. Pansexuell bedeutet ebenso wenig, dass jemand das Geschlecht buchstäblich nicht wahrnimmt. The Trevor Project erklärt, dass Menschen selbst entscheiden, welche Bezeichnung ihre Erfahrung am besten beschreibt.
Ein Beispiel ohne Rechenaufgabe
Stell dir vor, Jamie bezeichnet sich als omnisexuell und verliebt sich in letzter Zeit vor allem in Frauen. Jemand fragt, ob Jamie dann nicht einfach lesbisch ist. Jamie kann antworten: „Dass ich gerade verliebt bin, sagt nicht aus, zu wem ich mich grundsätzlich hingezogen fühlen kann.“
Dieses erfundene Beispiel zeigt, warum sich eine Orientierung nicht aus der Zahl früherer Dates ableiten lässt. Du musst nicht mit einer Person jedes Geschlechts zusammen gewesen sein. Eine Liste mit Namen oder Anteilen würde außerdem nichts darüber aussagen, was dir der Begriff verständlicher macht.
Sagt Omnisexualität etwas über deine Beziehung aus?
Nein. Orientierung und Beziehungsvereinbarungen beantworten unterschiedliche Fragen. Omnisexualität sagt etwas über Anziehung aus; Monogamie oder Polyamorie betrifft die Art, wie du Beziehungen gestaltest. Die eine Beschreibung legt die andere nicht fest.
Wenn du mit einer Partnerperson darüber sprichst, kannst du die Fragen getrennt behandeln: „So beschreibe ich meine Orientierung“ und „Das sind die Vereinbarungen, die ich mir für unsere Beziehung wünsche“. So verhinderst du, dass ein neues Wort automatisch als Wunsch verstanden wird, eure Vereinbarungen zu ändern.
Ein passendes Wort finden
Du kannst mit einem einfachen Satz anfangen: „Ich kann mich zu Menschen aller Geschlechter hingezogen fühlen, aber das Geschlecht ist Teil davon, wie ich Anziehung erlebe.“ Überlege anschließend, ob omnisexuell diesen Satz für dich gut zusammenfasst. Es ist kein Test mit einer richtigen oder falschen Antwort.
Vielleicht verwendest du lieber bi, pan oder gar kein Label. Du musst auch nicht sofort allen eine neue Bezeichnung mitteilen. Ein Wort kann dir zunächst helfen, etwas für dich selbst klarer zu sehen. Wenn du es mit anderen teilst, kannst du erklären, was es für dich bedeutet, ohne von all deinen persönlichen Erfahrungen erzählen zu müssen.