Penopause: männliche Wechseljahre oder etwas anderes?
Penopause ist eine populäre Bezeichnung für Veränderungen bei älter werdenden Männern, die oft mit Testosteron in Verbindung gebracht werden. Man hört auch „Andropause“ oder „männliche Wechseljahre“. Diese Begriffe können verwirrend sein: Männer durchlaufen nicht alle einen plötzlichen hormonellen Umbruch wie bei den Wechseljahren. Einen tatsächlichen Testosteronmangel gibt es, doch er muss medizinisch beurteilt werden.
Warum ist der Vergleich mit den Wechseljahren nicht ganz passend?
Der Testosteronspiegel kann mit den Jahren allmählich sinken. Das bedeutet nicht, dass jeder Mann ab einem bestimmten Alter Beschwerden bekommt oder Hormone braucht. Die Erklärung des NHS zu den männlichen Wechseljahren macht diesen Unterschied deutlich. Auch die niederländischen Urologen von Andros erklären, warum Penopause keine treffende Bezeichnung ist.
Weniger Energie, weniger Lust auf Sex, Erektionsprobleme, schlechter Schlaf oder eine gedrückte Stimmung können viele Ursachen haben. Dazu zählen Stress, eine Erkrankung, Schlafmangel oder Medikamente. Dieselbe Liste von Beschwerden weist also nicht automatisch auf dasselbe Problem hin.
Wann kann Testosteron eine Rolle spielen?
Bei einem Hypogonadismus bildet der Körper nicht genügend Testosteron. Das kann mit den Hoden oder mit der hormonellen Steuerung durch das Gehirn zusammenhängen. Mögliche Beschwerden sind unter anderem weniger sexuelles Verlangen und weniger spontane Erektionen. Diese Beschwerden allein reichen jedoch nicht aus, um die Diagnose zu stellen.
Eine Ärztin oder ein Arzt beurteilt deine Beschwerden und die Untersuchungsergebnisse zusammen mit wiederholten Blutmessungen. Die Endocrine Society empfiehlt für eine sorgfältige Diagnose mindestens zwei frühe, nüchtern durchgeführte Messungen am Morgen. Ein einzelner niedriger Messwert oder ein Online Fragebogen gibt also nicht die ganze Antwort. Das Ergebnis muss im richtigen Zusammenhang beurteilt werden.
Was solltest du mit deiner Hausarztpraxis besprechen?
Vereinbare einen Termin, wenn Veränderungen anhalten, dich beeinträchtigen oder dir Sorgen machen. Beschreibe konkret, was anders ist. Zum Beispiel: „Ich schlafe seit einigen Monaten schlecht, habe wenig Energie und weniger Lust auf Sex. Ich möchte wissen, was dahinterstecken könnte.“
Erzähl auch von Medikamenten, Nahrungsergänzungsmitteln und großen Veränderungen in deinem Leben. Du musst dich nicht erst entscheiden, ob die Ursache körperlich oder psychisch ist, bevor du um Hilfe bittest. Du kannst fragen: „Welche Ursachen kommen bei mir infrage, und wäre eine Blutuntersuchung sinnvoll?“ So kannst du das Gespräch beginnen, ohne vorab ein bestimmtes Hormon als Ursache festzulegen.
Brauchst du dann Testosteron?
Nicht automatisch. Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Manchmal geht es darum, Schlaf, psychische Gesundheit, Medikamente oder eine zugrunde liegende Erkrankung in den Blick zu nehmen. Bei einem bestätigten Mangel kann eine Behandlung mit Testosteron infrage kommen. Eine Ärztin oder ein Arzt sollte mit dir die Vorteile, Risiken und notwendigen Kontrollen besprechen.
Beginne nicht selbst mit Testosteron, um dem Älterwerden entgegenzuwirken oder deine Energie zu steigern. Die Patienteninformation zu Hypogonadismus erklärt, warum eine Behandlung ärztliche Begleitung erfordert. Wenn du dir Kinder wünschst, sprich das vorher an: Eine Testosteronbehandlung kann die Spermienproduktion verringern und ist dann nicht ohne Weiteres geeignet.
Was könnt ihr bis dahin zu Hause besprechen?
Ein verändertes Sexleben muss sich nicht nur um eine Erektion drehen. Fragt euch gegenseitig, was euch fehlt und was sich weiterhin gut anfühlt. „Ich möchte gern Zeit mit dir verbringen, aber nicht ständig damit beschäftigt sein, ob es klappt“ kann ein Anfang sein.
Mehr Zeit lassen, Berührungen ohne Eile oder einen anderen Zeitpunkt wählen kann für euch passen. Die Tipps zu Sex und Älterwerden bieten weitere Anregungen. Lasst dabei Raum für medizinische Hilfe, wenn die Beschwerden anhalten.