Single Shaming: So reagierst du auf Urteile über deinen Beziehungsstatus
Single Shaming bezeichnet Bemerkungen oder Verhaltensweisen, durch die sich jemand minderwertig fühlt, weil die Person single ist, oder glaubt, sich dafür rechtfertigen zu müssen. Zum Beispiel: „Bist du immer noch allein?“ oder „Du musst einfach jemanden finden.“ Du musst auf solche Bemerkungen nicht eingehen oder deinen Beziehungsstatus erklären. Eine Frage ist nicht automatisch wertend: Achte auf die Annahme dahinter und darauf, wie die andere Person reagiert, wenn du nicht antworten möchtest.
Was bedeutet Single Shaming?
Beim Single Shaming wird das Single Sein als etwas dargestellt, wofür man sich schämen oder das man ändern muss. „Du bist bestimmt zu wählerisch“ schiebt die Ursache zum Beispiel dir zu, ohne danach zu fragen, wie du dein Leben erlebst. „Du musst jetzt wirklich jemanden finden“ macht aus einem möglichen Wunsch eine Verpflichtung.
Der verwandte Forschungsbegriff Singlism bezeichnet ein breiteres Phänomen: negative Stereotype und die ungleiche Behandlung von Singles. Hier geht es um typische Bemerkungen und darum, wie du darauf reagieren kannst. Nicht jede unbeholfene Frage ist gleich ein Urteil.
Wann wird eine Frage unangenehm?
„Hast du jemanden kennengelernt?“ kann echtes Interesse ausdrücken. Dieselbe Frage kann unangenehm werden, wenn jemand davon ausgeht, dass du eine Beziehung möchtest, deine Antwort nicht akzeptiert oder das Thema immer wieder anspricht. Die Absicht der anderen Person und dein Erleben müssen nicht übereinstimmen: Jemand kann Interesse zeigen wollen und trotzdem eine Grenze überschreiten.
Du musst nicht erst beweisen, dass die andere Person schlechte Absichten hat, bevor du das Gespräch beenden darfst. Wenn du keine Lust hast, über Dating oder Beziehungen zu sprechen, reicht das als Grund, das Thema zu wechseln oder deine Grenze deutlich zu machen.
Wähle eine Antwort, die zu dir passt
- Du möchtest schnell weiterreden: „Ich bin zufrieden damit, wie es gerade ist. Wie läuft es mit deinem neuen Job?“
- Du möchtest das für dich behalten: „Darüber möchte ich lieber nicht sprechen.“ Du kannst freundlich bleiben, musst aber keinen Grund nennen.
- Du möchtest kurz etwas erklären: „Ich suche gerade keine Beziehung.“ Erzähl nur, was du selbst erzählen möchtest.
- Die andere Person lässt nicht locker: „Ich habe dir geantwortet. Lass uns das Thema jetzt beenden.“ Wenn du lieber gehen möchtest, kannst du sagen: „Ich unterhalte mich jetzt mit jemand anderem.“
- Du bist überrumpelt: „Ich weiß gerade nicht, was ich dazu sagen möchte.“ Du musst später nicht doch noch auf die Frage zurückkommen.
Du darfst deine Antwort an die Person und den Moment anpassen. Bei jemandem, den du gut kennst, möchtest du vielleicht erklären, wie die Bemerkung auf dich wirkt. Bei Kolleginnen und Kollegen oder Bekannten hältst du es vielleicht lieber kurz. Keine der beiden Möglichkeiten verlangt, dass du deinen Beziehungsstatus verteidigst.
So fragst du selbst, ohne zu urteilen
Wenn du Interesse zeigen möchtest, stell eine offene Frage und lass der anderen Person die Möglichkeit, nicht zu antworten. Zum Beispiel: „Wie läuft es beim Dating, wenn du davon erzählen möchtest?“ Oder: „Gibt es jemanden in deinem Leben, von dem du gern erzählen möchtest?“
Vermeide Fragen, die schon voraussetzen, was die andere Person möchte, etwa „Warum hast du noch niemanden?“ oder „Wann suchst du dir endlich eine Partnerin oder einen Partner?“ Wenn jemand sagt, dass das Thema lieber ruhen soll, akzeptiere das und sprich über etwas anderes.
Ein Beispiel bei einem Familientreffen
In diesem fiktiven Beispiel fragt eine Tante Noor: „Noch niemanden gefunden?“ Noor möchte nicht über Dating sprechen und antwortet: „Ich möchte lieber nicht über meinen Beziehungsstatus sprechen. Wie war deine Reise?“ Ihre Tante fragt weiter nach. Noor wiederholt: „Dabei möchte ich es belassen.“ Danach entscheidet sie selbst, ob sie das Gespräch fortsetzt oder sich woanders hinstellt.
Noor muss ihre Tante nicht davon überzeugen, dass ihre Antwort berechtigt ist. Sie kann sich auch für eine Erklärung entscheiden, etwa: „Ich weiß, dass du es gut meinst, aber für mich klingt diese Frage wie ein Urteil.“ Das ist eine Möglichkeit, keine Pflicht.
Auch wenn du dir eine Beziehung wünschst
Du musst nicht so tun, als wärst du glücklich als Single, um unerwünschte Bemerkungen zurückzuweisen. Du kannst dir eine Beziehung wünschen und trotzdem keine Ratschläge wollen. Zum Beispiel: „Ich hätte gern eine Beziehung, aber Bemerkungen über mein Alter helfen mir nicht. Frag lieber, wie es mir geht.“
Eine Freundin oder ein Freund kann auch ganz praktisch fragen: „Möchtest du darüber reden, soll ich mit dir überlegen oder wollen wir etwas anderes machen?“ So bleibt die Entscheidung bei der Person, um die es geht.
Wenn dir erst später einfällt, was du sagen wolltest
Vielleicht lachst du im Moment mit und merkst erst zu Hause, dass dich die Bemerkung getroffen hat. Du kannst später darauf zurückkommen: „Als du gesagt hast, ich solle nicht so wählerisch sein, wusste ich nicht, was ich antworten sollte. Ich möchte nicht, dass mein Beziehungsstatus auf diese Weise zum Thema gemacht wird.“ Dass du zuerst nichts gesagt hast, macht deine Grenze nicht weniger berechtigt.