Skoliosexuell: Bedeutung, Verwendung und Kritik
Skoliosexuell wird für die Anziehung zu nichtbinären und/oder trans Personen verwendet. Der Begriff ist umstritten: Manche Menschen können sich damit identifizieren, andere empfinden ihn als einschränkend oder verletzend. Eine Beziehung mit einer nichtbinären Person macht dich also nicht automatisch skoliosexuell.
Was beschreibt das Wort?
Es geht um die Anziehung, die jemand selbst zu benennen versucht. Das Wort beschreibt nicht das Geschlecht dieser Person. The Trevor Project nennt skoliosexuell als eines der Wörter für Anziehung, neben anderen Bezeichnungen. Welche davon zu dir passt, entscheidest du selbst.
Nicht alle verwenden skoliosexuell genau gleich. Deshalb ist es besser, ein persönliches Gespräch mit den Gefühlen zu beginnen, von denen jemand erzählen möchte, statt zu fragen, ob die Person einer Definition entspricht.
Warum gibt es Kritik an skoliosexuell?
Library.LGBT beschreibt unter anderem den Einwand, dass trans Personen dadurch als eine eigene Art von Männern oder Frauen behandelt werden. Außerdem kann es unangenehm sein, wenn das Interesse vor allem der trans oder nichtbinären Identität einer Person zu gelten scheint. Diese Kritik bedeutet nicht, dass alle Menschen dieselbe Meinung zu dem Wort haben.
Ein konkreter Unterschied: Zu sagen, dass du jemanden magst, ist etwas anderes, als anzunehmen, die Person habe einen bestimmten Körper oder ein bestimmtes Auftreten, weil sie trans ist. Eine Bezeichnung für deine Anziehung sagt dir nicht, wie eine andere Person berührt, angesprochen oder gesehen werden möchte.
Und was bedeutet ceterosexuell?
Vielleicht begegnest du auch dem Wort ceterosexuell. Queer Lexikon verwendet diese Bezeichnung für die Anziehung zu nichtbinären und/oder trans Personen und geht dabei auf die Einwände gegen skoliosexuell ein. Das ist kein Wort, das du allen anstelle anderer Begriffe zuordnen musst.
Wenn jemand sagt, dass die Person eine der beiden Bezeichnungen verwendet, kannst du fragen, welche Wörter dieser Person angenehm sind. Dazu gehört auch die Antwort: „Ich verwende eigentlich lieber gar kein Label.“
Geschlecht und Anziehung auseinanderhalten
- Dein Geschlecht: wie du dich selbst erlebst und bezeichnest.
- Dein Auftreten: wie du dich präsentierst, zum Beispiel durch deine Kleidung.
- Deine Anziehung: was du für eine andere Person empfindest.
Diese Dinge können für jemanden zusammenhängen, aber das eine verrät nicht automatisch das andere. Nichtbinär zu sein bedeutet nicht, einen bestimmten Kleidungsstil zu haben. Du kannst also weder an einer Frisur erkennen, welches Geschlecht jemand hat, noch aus der Partnerperson ableiten, welches Wort jemand für die eigene Orientierung verwendet.
Ein Gespräch ohne Annahmen
Ein erfundenes Beispiel: Noor erzählt, dass die Partnerperson nichtbinär ist. Ein Freund fragt sofort, ob Noor dann skoliosexuell ist. Noor wollte eigentlich nur von der neuen Beziehung erzählen und kein Label wählen.
Eine offene Frage wie „Wie schön, wie habt ihr euch kennengelernt?“ knüpft an das Erzählte an. Wenn Noor selbst etwas über Anziehung erzählen möchte, ist dafür Raum. Du musst nicht aus jeder neuen Beziehung eine Frage nach der sexuellen Orientierung machen.
Wenn du selbst skoliosexuell als Bezeichnung verwendest, kannst du erklären, was du damit meinst, ohne für andere zu sprechen. Zum Beispiel: „Für mich beschreibt das, zu wem ich mich hingezogen fühle. Damit möchte ich nichts über deinen Körper oder deine Identität voraussetzen.“ Hör anschließend auch darauf, wie die andere Person diese Worte erlebt.