Über Kondome sprechen: So wird es konkret
„Ich habe Kondome dabei. Wollen wir eins benutzen?“ Du brauchst keinen perfekten Einstiegssatz. Über Kondome zu sprechen, kann einfach dazugehören, wenn ihr gemeinsam herausfindet, was sich gut anfühlt. Hilfreich ist: Sag, was du möchtest, und mach klar, ob es euch darum geht, eine Schwangerschaft zu verhindern, euch vor sexuell übertragbaren Infektionen zu schützen oder beides.
Sprich darüber, bevor ihr euch entscheiden müsst
Ein Gespräch in einem ruhigen Moment ist oft angenehmer als eine Diskussion, wenn ihr schon zusammen im Bett liegt. Es muss nicht feierlich sein. Wenn ihr euch zum Beispiel über euer nächstes Treffen schreibt, könntest du sagen: „Ich freue mich darauf, dich zu sehen. Wenn wir Sex haben, möchte ich aber Kondome benutzen.“
Wenn ihr schon zusammen seid, ist es trotzdem nicht zu spät, das noch zu sagen. „Warte kurz, ich möchte erst ein Kondom“ reicht. Du musst deine Grenze nicht mit einer ausführlichen Erklärung über deine Vergangenheit begründen.
Schwangerschaft und sexuell übertragbare Infektionen sind zwei verschiedene Fragen
Ein Kondom kann zu beidem beitragen. Die Pille soll eine Schwangerschaft verhindern und schützt nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen. Deshalb beantwortet „Ich nehme die Pille“ nicht automatisch die Frage, ob ihr Kondome benutzen möchtet. Mehr über den Unterschied zwischen Verhütung und Schutz vor Infektionen.
Nicht bei jedem Paar und bei jedem sexuellen Kontakt ist eine Schwangerschaft möglich. Lass diese Frage ruhig aus, wenn sie für euch nicht relevant ist. Ihr müsst euer Gespräch nicht in ein Standardschema pressen.
Was kannst du auf eine schwierige Reaktion antworten?
Diese Beispiele sind mögliche Antworten und keine Tricks, um jemanden zu überreden. Such dir Worte aus, die zu dir passen.
| Die Reaktion | Eine mögliche Antwort |
|---|---|
| „Vertraust du mir nicht?“ | „Ich möchte gern mit dir zusammen sein. Kondome zu benutzen, ist für mich eine Voraussetzung und kein Urteil über dich.“ |
| „Aber du nimmst doch die Pille?“ | „Ja, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Über den Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen möchte ich auch sprechen.“ |
| „Ein Kondom fühlt sich nicht gut an.“ | „Lass uns schauen, was besser passt. Ohne Kondom möchte ich jetzt nicht weitermachen.“ |
| „Ich habe mich erst vor Kurzem testen lassen.“ | „Gut, dass du mir das sagst. Wann war das, und gab es danach noch sexuelle Kontakte? Ich möchte selbst vorerst weiter ein Kondom benutzen.“ |
| „Wir haben keine da.“ | „Dann machen wir es jetzt nicht. Wir müssen das nicht dadurch lösen, dass ich meine Grenze ändere.“ |
Wenn die andere Person weiter drängt, musst du dir nicht immer wieder ein besseres Argument ausdenken. Du kannst das Gespräch und den Sex beenden. Deine Zustimmung zu Sex mit Kondom ist keine Zustimmung zu Sex ohne Kondom.
Klärt auch die praktischen Dinge gemeinsam
Wer hat Kondome zu Hause, wer bringt sie mit und wo liegen sie? Solche einfachen Absprachen verhindern, dass eine Person alles organisieren muss. Wenn Passform oder Anwendung schwierig sind, könnt ihr euch gemeinsam informieren, ohne dass sich jemand dafür schämen muss.
Eine konkrete Absprache könnte zum Beispiel so lauten: „Wir benutzen erst einmal Kondome. Wenn eine Person von uns das ändern möchte, sprechen wir vorher darüber.“ Über eine solche Absprache könnt ihr weiter sprechen, aber sie wird nicht stillschweigend mitten beim Sex geändert.
Wenn ihr ohne Kondome weitermachen möchtet
Trefft diese Entscheidung gemeinsam und besprecht Fragen zu Tests mit deiner Hausarztpraxis oder einer örtlichen Beratungsstelle. Welche Untersuchung sinnvoll ist und wann sie stattfinden sollte, hängt von der jeweiligen Situation ab. Eine sexuell übertragbare Infektion kann außerdem auch ohne Beschwerden vorliegen. Ein unauffälliges Aussehen oder „ich merke nichts“ ersetzt deshalb keine Beratung dazu, ob ein Test sinnvoll ist. Lies, was du bei einem Test auf sexuell übertragbare Infektionen besprechen kannst.
Ein negatives Testergebnis verpflichtet dich nicht zu Sex ohne Kondom. Es ist auch völlig in Ordnung, wenn du dich mit Kondomen weiterhin wohler fühlst oder dir erst mehr Zeit nehmen möchtest.
Wenn mit dem Kondom etwas schiefgeht
Sag sofort Bescheid, wenn das Kondom reißt oder abrutscht. Besprecht anschließend getrennt, ob eine Beratung zu Schwangerschaft oder sexuell übertragbaren Infektionen nötig ist. Bei möglichem Kontakt mit HIV oder Hepatitis B ruf sofort eine Arztpraxis oder den örtlichen medizinischen Notdienst an und warte nicht erst auf Beschwerden. Auf Thuisarts steht, wann du anrufen solltest.