Über Rollenspiele sprechen: Grenzen und Erwartungen vorher benennen
Besprich Rollenspiele erst einmal als Idee, nicht als Verabredung. Frag, was die andere Person darunter versteht, erzähl, was dich neugierig macht, und sag auch, was sich für dich nicht gut anfühlt. Ihr müsst kein Szenario auswählen und nichts ausprobieren. Das Gespräch darf mit den Worten enden: „Ich möchte noch ein wenig darüber nachdenken.“
Fragt zuerst, was Rollenspiel für jede Person bedeutet
Das Wort kann bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Vorstellungen auslösen. Vielleicht denkt jemand an eine erfundene Situation, eine bestimmte Stimmung oder daran, eine Rolle anzunehmen. Die andere Person stellt sich womöglich etwas ganz anderes vor. Geht nicht davon aus, dass ihr dieselben Erwartungen habt oder dass Rollenspiel automatisch eine Machtrolle oder einen ausgearbeiteten Plan bedeutet.
Du kannst mit dieser Frage anfangen: „Was stellst du dir ungefähr vor, wenn du Rollenspiel sagst?“ Oder du erzählst selbst: „Die Idee macht mich neugierig, aber ich weiß noch nicht, ob ich etwas ausprobieren möchte.“ So bleibt Raum, gemeinsam zu klären, was ihr jeweils meint und was nicht.
Teilt mit, worüber ihr sprechen möchtet und worüber nicht
Du musst nicht gleich eine vollständige Liste mit Wünschen und Grenzen erstellen. Nimm ein Thema nach dem anderen und sag auch, worüber du selbst noch unsicher bist. Zum Beispiel: „Ich finde die Idee interessant und würde gern darüber sprechen, aber ich möchte jetzt noch keinen Plan machen.“ Du kannst auch benennen, welcher Teil dich anspricht, was sich neutral anfühlt und worüber du lieber nicht sprechen oder was du lieber nicht tun möchtest.
Offene Fragen können das Gespräch in Gang bringen, solange du sie stellst, um zu verstehen, was die andere Person denkt, und nicht, um eine bestimmte Antwort zu bekommen:
- „Gibt es etwas an der Idee, das dir gefällt?“
- „Gibt es etwas, das du aus dem Gespräch oder einem möglichen Plan heraushalten möchtest?“
- „Möchtest du nur darüber sprechen oder kannst du dir vielleicht vorstellen, später gemeinsam etwas Kleines auszuprobieren?“
- „Woran würdest du merken, dass es Zeit für eine Pause ist?“
Mach deutlich, dass Zweifel keine Zusage sind. Aus einem „Vielleicht“ muss kein „Ja“ werden. Wenn jemand eine Grenze nennt, versuch, sie zu verstehen und zu respektieren, statt darüber zu verhandeln. Auch nach einer früheren Zustimmung darf jemand eine Pause einlegen oder die Meinung ändern.
Macht die Idee konkreter, ohne ein Szenario vorzugeben
Du meinst nur eine spielerische Stimmung. „Ich fände es schön, wenn wir uns bei einem Getränk eine Weile so begegnen, als würden wir uns noch nicht kennen. Ich meine keine festen Rollen oder Aufgaben. Spricht dich die Idee an?“ Damit gibst du ein verständliches Beispiel, statt die andere Person raten zu lassen, was sich hinter dem Wort Rollenspiel verbirgt.
Ein bestimmter Teil passt nicht. „Einen erfundenen Namen finde ich lustig, aber ich möchte keine erniedrigenden Worte oder Aufgaben.“ Eine positive Antwort auf den einen Teil sagt nichts über den anderen aus. Sprecht nur über das weiter, was euch beiden gefällt.
Die andere Person ist unsicher oder hat kein Interesse. Bei Unsicherheit kannst du sagen: „Du musst jetzt nicht entscheiden. Sprich das Thema gern selbst an, wenn du möchtest.“ Bei einem Nein reicht: „Dann lassen wir es dabei.“ Neugier ist kein Grund, jemanden doch noch zu überreden.
Wenn das Gespräch unangenehm wird
Eine Stille, ein Lachen oder eine zögerliche Antwort muss nicht sofort aufgelöst werden. Frag ruhig: „Möchtest du kurz nachdenken, über etwas anderes sprechen oder das Gespräch beenden?“ Lass die andere Person antworten und nimm ihr die Antwort nicht vorweg.
Wenn du selbst merkst, dass du keine Antwort hast, kannst du ruhig sagen: „Ich weiß es noch nicht und möchte jetzt nicht darüber entscheiden.“ Du kannst das Thema ruhen lassen, ohne zu erklären, warum. Wenn ihr später weiterredet, fangt noch einmal damit an, was jede Person zu diesem Zeitpunkt möchte und was nicht.
Entscheidet gemeinsam, wie es weitergeht
Ein gutes Ergebnis muss kein Plan sein. Ihr könnt beschließen, das Thema ruhen zu lassen, später noch einmal darüber zu sprechen oder nur weiter darüber zu reden, was die Worte für euch jeweils bedeuten. Wenn ihr etwas ausprobieren möchtet, besprecht zuerst, womit ihr beide einverstanden seid und wie jede Person um eine Pause oder einen Stopp bitten kann.
Du kannst das Gespräch so beenden: „Lassen wir es dabei und sprechen nur weiter darüber, wenn wir beide Lust dazu haben?“ So bleibt Neugier ein Gesprächsthema und wird nicht zur Verpflichtung.