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Wenig Lust auf Sex bei Männern: Wenn dein Verlangen nachlässt

Auch als Mann musst du nicht immer Lust auf Sex haben. Dein Verlangen kann sich verändern, wenn du viel um die Ohren hast, je nachdem, wie du dich fühlst, wie es in deiner Beziehung läuft oder wie es um deine Gesundheit steht. Weniger Lust ist nicht automatisch eine Erkrankung. Aufmerksamkeit verdient die Veränderung vor allem dann, wenn sie dich belastet, du dir Sorgen machst oder weitere Beschwerden dazukommen.

Weniger Verlangen oder Schwierigkeiten mit der Erektion?

Libido bedeutet Verlangen nach Sex. Eine Erektion ist eine körperliche Reaktion. Du kannst große Lust haben und trotzdem Schwierigkeiten bekommen, eine Erektion zu erreichen. Umgekehrt bedeutet eine Erektion nicht automatisch, dass du Sex möchtest. Die medizinische Erklärung von MSD behandelt Verlangen und Erektion deshalb als unterschiedliche Aspekte der Sexualfunktion.

Versuche, für dich zu benennen, was sich verändert hat. „Ich denke kaum noch an Sex“ ist eine andere Erfahrung als „Ich möchte schon, habe aber Angst, dass meine Erektion nachlässt“. Über beides kannst du sprechen, aber möglicherweise braucht es unterschiedliche Ansätze.

Woran kann es liegen?

Oft kommen mehrere Faktoren zusammen. Stress, Niedergeschlagenheit oder Spannungen in der Beziehung können das Verlangen mindern. Auch Erektionsprobleme, viel Alkohol, bestimmte Medikamente und Erkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenprobleme können eine Rolle spielen. Die Erklärung des britischen NHS zu nachlassender Libido beschreibt diese verschiedenen Einflüsse.

Weniger Lust beweist nicht, dass dein Testosteronspiegel zu niedrig ist. Ein Hormonmangel wird anhand der Beschwerden und wiederholter Blutuntersuchungen beurteilt. Laut der Endocrine Society müssen auch andere Ursachen berücksichtigt werden. Ein Test oder eine Behandlung ist also nicht für jeden Mann mit weniger Verlangen der gleiche nächste Schritt.

Hat sich etwas verändert, als du mit einem Medikament begonnen hast? Sprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke darüber. Setze das Medikament nicht eigenständig ab. Notiere den Namen und wann du mit der Einnahme begonnen hast, und nimm diese Angaben zum Gespräch mit.

Schaffe Raum für das, was dir guttut

Es ist nicht vorgeschrieben, wie oft du pro Woche Sex haben solltest. Auch wenn du und dein Partner unterschiedlich viel Lust habt, ist mit deinem Verlangen nichts falsch. Die niederländische Gesundheitswebsite Thuisarts erklärt, dass Phasen mit weniger Lust normal sein können. Wenn du selbst gern mehr Lust hättest, kann es helfen, auf die Umstände zu achten und herauszufinden, welche Berührungen sich gut anfühlen.

Wähle einen kleinen Anfang, der sich nicht wie eine Prüfung anfühlt. Ihr könnt zum Beispiel zusammen spazieren gehen und danach eine Weile aneinandergekuschelt sitzen, ohne dass Sex folgen muss. Vielleicht möchtest du küssen oder kuscheln, aber keine weiteren Berührungen. Du kannst es vorher sagen: „Ich möchte dir gern nah sein, aber heute ohne die Erwartung, dass wir Sex haben.“

Wenn ein Abend immer wieder mit einer enttäuschten Frage endet, könnt ihr auch einen anderen Zeitpunkt fürs Gespräch wählen. „Mir ist aufgefallen, dass ich in letzter Zeit weniger Lust habe. Ich möchte mit dir darüber sprechen, aber lieber nicht genau dann, wenn einer von uns versucht, Sex anzufangen.“ So muss sich das Gespräch nicht gleichzeitig wie eine Zurückweisung anfühlen.

Wenn dein Partner es persönlich nimmt

Erkläre so konkret wie möglich, was du weißt und was nicht. Du musst keine Zusicherung geben, die nicht stimmt. „Ich weiß noch nicht genau, warum sich meine Lust verändert hat. Aber ich möchte das ernst nehmen“ kann ehrlicher sein, als zu versprechen, dass nächste Woche alles wieder vorbei ist.

Hör auch zu, was deinem Partner fehlt: Berührungen, Initiative, Bestätigung oder der Sex selbst. So könnt ihr gemeinsam etwas finden, das sich für euch beide gut anfühlt. Sex aus Schuldgefühl muss nicht dazugehören.

Wann solltest du dir Hilfe holen?

Vereinbare einen Termin bei deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt, wenn du dir Sorgen machst, dich die Veränderung belastet oder du vermutest, dass Medikamente oder eine Erkrankung eine Rolle spielen. Notiere, seit wann du weniger Lust hast, in welchen Situationen du es bemerkst und welche weiteren Veränderungen es gibt.

Je nach Ursache kann die Unterstützung aus Informationen, der Behandlung körperlicher Beschwerden, Hilfe bei psychischen Belastungen oder einem Gespräch mit einer Sexualtherapeutin oder einem Sexualtherapeuten bestehen. Du kannst sagen: „Meine Lust auf Sex hat sich verändert und ich möchte verstehen, was dahintersteckt.“ Du brauchst vorher keine Diagnose.