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Der Beckenboden bei Männern: Lage, Funktion und Beschwerden

Auch Männer haben einen Beckenboden: Muskeln und Bindegewebe im unteren Teil des Beckens. Sie helfen unter anderem dabei, Urin, Stuhl und Winde zurückzuhalten. Sie müssen sich sowohl anspannen als auch entspannen können. Bei Problemen beim Wasserlassen können sowohl zu wenig Kraft als auch eine zu hohe Spannung eine Rolle spielen. Einfach kräftiger anzuspannen ist deshalb nicht immer die Lösung.

Wo liegen diese Muskeln?

Der Beckenboden verläuft zwischen dem Schambein vorne, dem Steißbein hinten und der Innenseite des Beckens. Der Bereich zwischen Hodensack und After heißt Damm. Die Muskeln liegen tiefer als die sichtbare Haut. Du kannst sie also nicht einfach zeigen wie einen Muskel am Oberarm.

Die anatomische Erklärung von Royal Devon NHS beschreibt auch die Schließmuskeln von Blase und Darm. Deine Prostata liegt im selben Bereich, ist aber eine Drüse. „Meine Prostata“ und „mein Beckenboden“ sind keine zwei Namen für dasselbe Körperteil.

Welche Funktion hat der Beckenboden?

  • Urin zurückhalten: Muskeln rund um die Harnröhre helfen zu verhindern, dass Urin unkontrolliert austritt.
  • Stuhl und Winde zurückhalten: Die Muskeln rund um den After helfen dabei, dies zu kontrollieren.
  • Sexuelle Funktion: Der Beckenboden spielt unter anderem eine Rolle dabei, eine Erektion aufrechtzuerhalten.

Das bedeutet nicht, dass ein Erektionsproblem automatisch vom Beckenboden kommt. Wo ein Muskel liegt und welche Aufgabe er hat, erklärt noch nicht, warum eine bestimmte Beschwerde entsteht.

Warum Entspannen genauso wichtig ist

Um Urin zurückzuhalten, spannst du Muskeln an. Damit du gut Wasser lassen kannst, müssen sie sich aber auch entspannen können. Die niederländische Gesundheitswebsite Thuisarts nennt übermäßig angespannte Muskeln als eine mögliche Ursache dafür, dass sich die Blase beim Wasserlassen nur schwer entleert. Schwächere Muskeln können es dagegen schwieriger machen, Urin zurückzuhalten. Auch die Blase, die Prostata, Verstopfung und Medikamente können eine Rolle spielen.

Ein schwacher Harnstrahl oder Nachtröpfeln ist also kein verlässlicher Selbsttest für eine bestimmte Ursache. Entscheidend ist, was du bemerkst, wann es angefangen hat und wie sehr es dich beeinträchtigt. Eine Beschreibung wie „Nach dem Aufstehen von der Toilette tröpfelt noch Urin nach“ ist hilfreicher, als vorab anzunehmen, deine Muskeln seien zu schwach.

Wie fängst du mit Übungen an?

Übungen können Teil der Behandlung sein, aber welche Übung passt, hängt von deinen Beschwerden ab. Wenn du Probleme beim Wasserlassen hast, aber keine Beschwerden, bei denen du zunächst anrufen solltest, kannst du die niederländische Information zu Übungen für Männer nutzen. Sie beschreibt verschiedene Schritte und erklärt, wann du ärztlichen Rat einholen solltest. Ein Trainingsplan, den jemand nach einer Prostataoperation bekommt, ist nicht automatisch auch für dich geeignet.

Hör mit den Übungen auf, wenn sich deine Beschwerden verschlimmern, und ruf deine Hausarztpraxis an. Wenn die Übungen nach sechs Wochen nicht helfen, frag ebenfalls nach ärztlichem Rat. Wenn du nur schwer spürst, welche Muskeln du benutzt, sprich das an. Du musst kein besonders anspruchsvolles Trainingsprogramm absolvieren oder ein Produkt ausprobieren, bevor du um Hilfe bitten darfst.

Wann solltest du ärztlichen Rat einholen?

Ruf sofort deine Hausarztpraxis oder den örtlichen ärztlichen Bereitschaftsdienst an, wenn du dringend Wasser lassen musst und es nicht geht, oder wenn du beim Wasserlassen Schmerzen hast und dich außerdem krank fühlst oder Fieber hast. Vereinbare einen Termin, wenn du Blut im Urin, Eiter am Penis oder Probleme beim Wasserlassen hast, die dich stark beeinträchtigen. Diese Anzeichen sind ein Grund, Hilfe zu suchen, nicht dafür, selbst noch kräftiger zu trainieren.

Bei einem Termin kannst du erzählen, wie sich die Beschwerden auf deinen Alltag auswirken: zum Beispiel, dass du schlecht schläfst, ständig nach Toiletten suchen musst oder dich bei Intimität unsicher fühlst. So machst du deutlich, was du gern verbessern möchtest, ohne selbst schon eine Diagnose kennen zu müssen.