Nicht kategorisiert

Desorganisierte Bindung: Was der Begriff bedeutet und was nicht

Desorganisierte Bindung ist ursprünglich ein Forschungsbegriff für bestimmtes Verhalten kleiner Kinder gegenüber einer Bezugsperson. Sie ist nicht dasselbe wie eine klinische Bindungsstörung. Auch lässt sich daraus nicht direkt ableiten, warum du als erwachsene Person Nähe suchst und dich dann zurückziehst.

Woher stammt der Begriff?

Forschende verwenden eine strukturierte Beobachtung mit kurzen Trennungen und Wiedersehen. Geschulte Beurteilende achten dabei auf Verhaltensweisen, die zum Beispiel widersprüchlich oder desorientiert wirken. Die Klassifikation gehört zu dieser spezifischen Methode und Beziehung, nicht zu einem oberflächlichen Eindruck von der Persönlichkeit eines Menschen.

Ein Konsensartikel von Bindungsforschenden warnt vor zu weitreichenden Schlussfolgerungen. Die Einordnung beweist keine Misshandlung und sagt spätere Probleme nicht zwangsläufig voraus.

Warum Beziehungsmuster bei Erwachsenen etwas anderes erfordern

In der Forschung zu romantischen Beziehungen werden andere Begriffe und Messmethoden verwendet. Eine Beschreibung wie ängstlich vermeidend ist deshalb nicht einfach mit der ursprünglichen Klassifikation bei kleinen Kindern gleichzusetzen. Sich in einer Liste im Internet wiederzuerkennen, beweist nicht, dass beides dasselbe bedeutet.

Du kannst eine wiederkehrende Situation auch untersuchen, ohne sie zuerst zu benennen. Zum Beispiel: „Nach einem Streit wünsche ich mir, dass du mich beruhigst. Aber wenn du mir näher kommst, ziehe ich mich zurück.“ Dieser Satz beschreibt, was passiert. Er erklärt noch nicht, warum es dazu kommt.

Was hilft beim Gespräch darüber?

Unterscheide drei Dinge: was du bemerkt hast, was du getan hast und worüber du jetzt sprechen möchtest. Du könntest sagen: „Ich hatte Angst, dass unser Gespräch nicht gut ausgeht. Deshalb war ich kurz angebunden. Ich möchte dir erklären, was mich beschäftigt, aber erst einmal zur Ruhe kommen.“

Das ist ein Gesprächsbeispiel und keine Therapie für ein Bindungsmuster. Du kannst auch fragen, was die andere Person wahrgenommen hat oder gebraucht hätte. So verhinderst du, dass ein einziges Etikett das ganze Gespräch bestimmt.

Wenn wiederkehrende Muster dich stark belasten oder deinen Alltag einschränken, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer psychologischen Fachkraft über die konkreten Beschwerden. Du musst deine Kindheit nicht selbst rekonstruieren und auch keinen Onlinetest als Erklärung mitbringen. Die Informationen von Thuisarts zum Einstieg in ein Gespräch über psychische Beschwerden erklären, wie du ein solches Gespräch beginnen kannst.