Natürliche Verhütung: Was Zyklusmethoden von dir verlangen
Bei natürlicher Verhütung denkst du wahrscheinlich daran, deinen Zyklus zu beobachten: einzuschätzen, wann du fruchtbar bist, und an diesen Tagen keinen ungeschützten Sex mit einem Penis in der Vagina zu haben. Dabei verwendest du keine Hormone. Allerdings erfordert diese Methode tägliche Aufmerksamkeit, eine gute Anleitung und Absprachen, an die ihr euch gemeinsam halten könnt. Nur deine Menstruationsdaten in eine App einzutragen ist etwas anderes, als eine vollständige Zyklusmethode anzuwenden.
Welche Methoden sind damit gemeint?
| Methode | Was beobachtest du? | Wichtige Einschränkung |
|---|---|---|
| Kalendermethode | Beginn und Länge deiner vergangenen Menstruationszyklen. | Ein früherer Zyklus sagt nicht sicher voraus, wann der nächste Eisprung stattfindet. |
| Temperaturmethode | Deine Temperatur in Ruhe, gemessen nach festen Regeln. | Der Temperaturanstieg folgt auf den Eisprung. Er kündigt die fruchtbaren Tage davor nicht rechtzeitig an. |
| Zervixschleimmethode | Veränderungen des Schleims aus dem Gebärmutterhals. | Die Anzeichen zu erkennen und zu deuten erfordert Übung und klare Regeln. |
| Kombinierte Methode | Mehrere Anzeichen, zum Beispiel Temperatur, Zervixschleim und Zyklusdaten. | Du wendest eine zusammenhängende Methode mit den dazugehörigen Anleitungen an. Einzelne Tipps zusammenzuzählen ist nicht dasselbe. |
Auch der Rückzieher vor dem Samenerguss und das Stillen werden manchmal als „natürlich“ bezeichnet. Das sind andere Methoden. Stillen eignet sich zum Beispiel nur unter bestimmten Voraussetzungen als Verhütung. Dass deine Menstruation nach einer Geburt ausbleibt, reicht allein nicht aus, um davon auszugehen, dass du geschützt bist.
Warum geht es nicht nur um den Tag des Eisprungs?
Spermien können mehrere Tage im Körper überleben. Du kannst also durch Sex schwanger werden, der stattfindet, bevor die Eizelle freigesetzt wird. Auch bei einem ziemlich regelmäßigen Zyklus findet der Eisprung nicht garantiert jeden Monat am selben Tag statt.
Eine höhere Morgentemperatur kann im Nachhinein dabei helfen zu erkennen, dass der Eisprung wahrscheinlich schon stattgefunden hat. Eine einzelne höhere Messung reicht dafür nicht aus: Fieber, Krankheit und andere Umstände können die Temperatur ebenfalls verändern. Die Messung liefert dir Informationen, ist aber für sich genommen kein Verhütungsmittel.
Wie zuverlässig ist das?
Die Zuverlässigkeit unterscheidet sich je nach Methode und danach, ob sie genau angewendet wird oder was sich im Alltag umsetzen lässt. Eine erlernte Kombination von Anzeichen ist nicht dasselbe, wie mit einem Kalender zu raten. Trotzdem kann auch sorgfältiges Beobachten eine Schwangerschaft nicht ausschließen.
Achte bei einer angegebenen Prozentzahl auf die vollständige Erklärung: Um welche Methode geht es, über welchen Zeitraum und wurden Anwendungsfehler mitgerechnet? Eine Zahl für Menschen, die alle Regeln genau befolgen, sagt nicht automatisch aus, was du bei Nachtschichten, vergessenen Messungen oder unklaren Anzeichen erwarten kannst.
Wenn du eine Schwangerschaft unbedingt vermeiden möchtest, vergleiche auch Methoden, die weniger von der täglichen Interpretation abhängen. Eine Kupferspirale enthält zum Beispiel keine Hormone und bietet sehr guten Schutz. Keine Hormone verwenden zu wollen bedeutet also nicht, dass du nur auf die Beobachtung deines Zyklus angewiesen bist.
Was bedeutet das für euch im Alltag?
Lerne die Methode bei einer entsprechend ausgebildeten Person. Während der Lernphase verwendest du zusätzlich eine andere Verhütungsmethode oder verzichtest auf Sex, bei dem Sperma in die Vagina gelangen kann. Die Anleitung geht über das einmalige Einrichten einer App hinaus.
Vereinbart vorher konkret, was an fruchtbaren oder unklaren Tagen gilt. Zum Beispiel: „Wenn eine Messung fehlt, entscheiden wir nicht erst im Moment selbst, dass es schon irgendwie in Ordnung sein wird.“ Sprecht auch ab, wer die Aufzeichnungen übernimmt und was ihr macht, wenn eine Person von euch kein Kondom verwenden möchte. Keinen Sex zu wollen ist immer eine gültige Entscheidung.
Wenn du gerade ein Kind bekommen hast, hormonell verhütet hast und damit aufgehört hast oder dich der Menopause näherst, kann es schwieriger sein, deinen Zyklus einzuschätzen. Auch bei unregelmäßigen Zyklen ist eine Methode möglicherweise weniger geeignet. Besprich in solchen Situationen, was für dich passt, statt dich weiter auf alte Vorhersagen zu verlassen.
Und was ist mit einer App oder einem Thermometer?
Eine App kann als Tagebuch hilfreich sein. Ein grünes Feld ist jedoch keine Garantie dafür, dass ungeschützter Sex nicht zu einer Schwangerschaft führen kann. Schau nach, welche Anzeichen ein Hilfsmittel berücksichtigt und was du zusätzlich tun musst. Ein teures Thermometer nimmt dir weder die Interpretation noch das Einhalten der Absprachen ab.
Zyklusmethoden schützen nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen. Die Verwendung eines Kondoms ist daher unabhängig von der Berechnung der fruchtbaren Tage. Hattest du möglicherweise vor Kurzem ungeschützten Sex und möchtest nicht schwanger werden? Hol dir umgehend in einer Apotheke oder ärztlichen Praxis Rat zur Notfallverhütung. Warte nicht ab, ob die App ihre Vorhersage nachträglich ändert.
Lies mehr bei Rutgers über verschiedene Zyklusmethoden und bei Thuisarts über hormonfreie Möglichkeiten.