Neue Beziehung: Erwartungen und Tempo besprechen
In einer neuen Beziehung besprecht ihr Erwartungen am besten, indem ihr konkret fragt, was Kontakt, Exklusivität und Zeit für euch selbst für euch beide bedeuten. Ihr müsst nicht sofort alles festlegen. Fang mit einem Thema an, das gerade wichtig ist, erzähl ehrlich, was du möchtest, und frag, wie die andere Person dazu steht.
Was es bedeutet, Erwartungen zu besprechen und was nicht
„Wir schauen einfach mal“ kann für die eine Person entspannt klingen und für die andere unklar sein. Dieser Unterschied muss nicht sofort ausgeräumt werden. Er ist aber ein guter Anlass, nachzufragen, was ihr beide mit diesen Worten meint.
Ein Gespräch über Erwartungen ist kein Versprechen, die Beziehung weiterzuentwickeln, und muss auch keinen vollständigen Zukunftsplan ergeben. Du kannst einen Wunsch äußern, eine Frage stellen oder sagen, dass du noch Bedenkzeit brauchst. Eine Vereinbarung ist erst dann eine Vereinbarung, wenn ihr beide zustimmt.
Mach das Thema konkret
Versuch nicht, alle Unsicherheiten in einem einzigen Gespräch auszuräumen. Fang zum Beispiel mit einem Thema an, das beeinflusst, womit du dich gerade wohlfühlst:
- Kontakt: Wie oft möchtet ihr zwischen euren Treffen gern schreiben oder telefonieren?
- Verabredungen: Wollt ihr im Voraus planen oder lieber kurzfristig schauen, wann es passt?
- Exklusivität: Trefft ihr euch gerade auch mit anderen, und was möchtet ihr einander darüber erzählen?
- Zeit für euch selbst: Welche Zeit möchtet ihr euch für euch selbst, Freundinnen und Freunde, Familie oder andere Beschäftigungen freihalten?
Diese Themen hängen manchmal zusammen, bedeuten aber nicht dasselbe. Du kannst dich gern regelmäßig treffen und trotzdem noch keine Entscheidung über Exklusivität treffen wollen. Frag also nach, wenn Begriffe wie „langsam angehen lassen“ oder „ernst“ für euch offenbar etwas Unterschiedliches bedeuten.
Beispielfragen, die das Gespräch in Gang bringen
Eine offene Frage lädt die andere Person ein, ihre eigenen Worte zu finden. Erzähl auch, was dir wichtig ist, damit das Gespräch nicht nur aus Fragen besteht.
- Zum Kontakt: „Ich freue mich, von dir zu hören. Wie viel Kontakt zwischen unseren Treffen fühlt sich für dich gut an?“
- Zur Planung: „Wollen wir schon etwas ausmachen, oder schaust du lieber später, was dir passt?“
- Zur Exklusivität: „Ich würde gern abgleichen, wie wir dazu stehen. Wie siehst du es gerade mit dem Dating mit anderen?“
- Zur Zeit für euch selbst: „Ich brauche auch Zeit für mich und meine Freundinnen und Freunde. Wie ist das bei dir?“
- Wenn du selbst noch unsicher bist: „Ich mag dich, aber ich weiß noch nicht genau, was ich vereinbaren möchte. Können wir später noch einmal darüber sprechen?“
Du kannst eine Antwort mit der Frage konkretisieren: „Was bedeutet das für dich im Alltag?“ So vermeidest du, selbst zu interpretieren, was die andere Person meint.
Ein Gespräch, wenn eure Wünsche unterschiedlich sind
Angenommen, Noor und Sam haben sich schon ein paar Mal getroffen. Noor möchte wissen, ob sie exklusiv daten; Sam mag Noor, möchte diese Entscheidung aber noch nicht treffen.
Noor könnte sagen: „Ich verbringe gern Zeit mit dir. Ich brauche nicht sofort ein Versprechen, möchte aber wissen, wie du das Dating mit anderen siehst.“ Sam antwortet: „Ich möchte dich weiter treffen, bin aber noch nicht bereit, mich exklusiv zu verabreden.“ Noor könnte dann sagen: „Danke, dass du so klar bist. Ich möchte darüber nachdenken, womit ich mich wohlfühle. Wollen wir später diese Woche weiterreden?“
Noor muss nicht unter Bedingungen weiterdaten, die sie nicht möchte. Sam muss keine Exklusivität versprechen, nur um sie zu beruhigen. Klarheit kann auch bedeuten, dass eure Wünsche gerade nicht zusammenpassen.
Wenn Zweifel oder Unbehagen aufkommen
Eine Pause oder eine andere Antwort muss nicht sofort überbrückt werden. Du kannst sagen: „Wir müssen das nicht gleich vollständig klären.“ Wenn jemand von euch beiden Bedenkzeit braucht, besprecht, wann ihr das Thema wieder aufgreifen könnt.
Du darfst auch sagen, wo deine Grenze liegt, ohne die andere Person zur gleichen Entscheidung zu drängen. Zum Beispiel: „Ich möchte dich gern weiter treffen, aber für mich ist Exklusivität wichtig, bevor ich den nächsten Schritt gehe.“ Die andere Person kann das anders sehen. Danach kannst du entscheiden, was zu deinen Wünschen passt.
Wenn die andere Person nicht antworten möchte, kannst du fragen, ob sie später darauf zurückkommen will. Du musst eine unklare Antwort nicht als Vereinbarung behandeln. Du darfst selbst entscheiden, womit du dich bis dahin wohlfühlst und womit nicht.
Freundinnen und Freunde, Familie und das erste gemeinsame Foto
Einander häufiger zu sehen bedeutet nicht automatisch, dass ihr gleichzeitig Freundinnen und Freunde oder Familie kennenlernen möchtet. Frag zum Beispiel: „Ich würde dich gern zum Geburtstag eines Freundes mitnehmen. Hättest du Lust darauf, oder möchtest du es vorerst lieber bei uns beiden belassen?“
Sprecht auch darüber, was ihr online teilen möchtet, bevor du ein gemeinsames Foto veröffentlichst oder jemanden markierst. Eine einfache Frage reicht: „Ist es für dich okay, wenn ich dieses Foto teile, und mit wem?“ Entscheidet gemeinsam, was für euch passt, statt mit einem öffentlichen Schritt Klarheit über eure Beziehung erzwingen zu wollen.